Mein Blog

Blog

# 7. April 1776 Ostersonntag: Rückblick aufs erste Semester - Ferien zu Hause – Mein Glaubensbekenntnis vom lieben Frauenzimmer

Posted on April 6, 2014 at 8:27 PM
Rückblick aufs erste Studienjahr
Das erste Jahr hatte mein Wechsel hübsch zugereicht und ich war um Ostern 1776 keinen Pfennigg schuldig. Ich hatte zwar lustig gelebt, doch hatte ich meine Ökonomie so eingerichtet, dass ich mit dem Bestimmten auskam. Auch hatte mir einige gute Bücher, unter andern die Boussuet=Cramersche Historie, Mosheims Institutiones Hist. Eccles. majores, le siècle der Louis XIV. und einige andre angeschafft. Meine Mutter gab mir das Geld dazu her und bezahlte mir auch den Italienischen Sprachmeister.

Die erste Predigt...
Auf Ostern zog ich wieder nach Hause, meine Eltern zu besuchen und beiher auch Thereschen zu sehen. Freilich sehnte ich mich nach ihr nicht mehr so sehr...
Mein Vater wollte jetzt durchaus, dass ich einmal predigen sollte. Ich lernte also eine auswendig – denn selbst konnte ich noch keine machen, hatte auch nicht Lust dazu – und hielt sie mit vieler Dreistigkeit in Mörsfeld vor Bergknappen und Bauern.

Mein Vater hatte mir vor der Kirche zugehört ohne dass ich es wusste und war hernach ganz entzückt über meine Eloquenz, – nur meinte er, ich müsste künftig meine Predigten hübsch selbst ausarbeiten und mich ja nicht – wie sonst die Herren aufs Reiten legen.

In der Folge habe ich zwar manche Predigt selbst gemacht; die meisten aber schrieb ich ab und hielt sie. Ich glaubte das nämliche Recht zu haben, was der Professor der Geschichte hat, welcher wörtlich abschreibt und hernach seinen Herren Zuhören dahinkanzelt.

Mein Glaubensbekenntnis vom lieben Frauenzimmer
Meine Therese bekam ich diesmal nicht zu sehen. Sie war in Mannheim und mir war die Lust vergangen, mich einem Wischer von meinem Vater dadurch auszusetzen, dass ich da hin hätte fahren mögen. Beiher hatte ich auch ein anderes Mädchen kennen gelernt, welches mir meinen Aufenthalt zu Hause ziemlich angenehm machte. Verliebt in sie – bin ich wahrlich nicht gewesen, bin auch seit Theresens Zeiten es in keine mehr geworden, hab gar hernach über die verliebten Torheiten oft weidlich gelacht! Doch hatt' ich so mein Behagen an hübschen Gesichtern, aber auch blos an Gesichtern, d. i. am Körperlichen: denn für die Seelen der Weiber hab' ich von jeher blutwenig Respekt gehabt. Es sind, so nach meiner Meinung, welche ich aber niemanden aufdringen will, die sich indes schon von selbst in der leidigen Erfahrung aufdringt – eitle, eingebildete, abergläubische, neidischeDinger, die gern wollen brillieren, die sich blos am Schein belustigen, in Kleinigkeiten Kabalen spielen, sich durch Nachäffung formen, keinen Charakter haben, Gottes- und Pfaffengunst durch geistige Koketterie zu erschleichen suchen und wie's Wetter im April bald gut und sanft, bald stürmisch und tigermäßig grausam sind.–

Das ist so mein Glaubensbekenntnis vom lieben Frauenzimmer, wozu ich meine Gründe aus der Erfahrung abstrahiert habe. Ich habe sie gesehen in vornehmen Zirkeln und in Buffkellern. Sie waren aber da wie dort: immer gleiche Gesinnungen, nur bestand der Unterschied in einigen Schattierungen, welche gröber oder feiner sind und die Frauenzimmer von Qualität von denen ohne Qualität unterscheiden.– Ja meine liebe Dame, dass es auch hierbei Ausnahmen gebe, weiß ich. Dass aber diese selten sind, weiß ich eben so gut, als dass Sie sich zu diesen Ausnahmen rechnen werden, oder mein Buch mein Buch mit Verachten hinwerfen. Der größte Teil von Ihnen ist nun so!  


Categories: Studentenleben

Post a Comment

Oops!

Oops, you forgot something.

Oops!

The words you entered did not match the given text. Please try again.

0 Comments