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#August/September 1775 Gießen: Gerichtsverhandlung gegen Eulerkapper – noch mehr zerschmissene Fensterscheiben

Posted on September 6, 2013 at 2:56 PM
Schacht indizierte nun ein Parlament, welches sich im Rappen versammelte und ein Urteil über den Eulerkapper sprechen sollte. Das Parlament kam zusammen, Schacht redete nachdem jeder seinen Bierkrug vor sich und seine Pfeife angesteckt hatte, die Versammlung an und stellte ihr vor, wie Euler, der Mädchenschulmeister, bisher Ursache gewesen sei, dass so manche honorige Bursche ins Karzer gekommen und sonst gestraft worden wäre; dass also eine allgemeine Entscheidung zu fassen sei, wie man es in Zukunft mit dem Euler halten sollte. Er für sein Teil fände notwendig, dass man ihm einen angemessenen Ekelnamen beilegte. – 

Hierauf wurde debattiert und endlich beschlossen: dass der Mädchenschulmeister Euler in Zukunft Eulerkapper heißen und jeder Bursche ihn wenigstens einmal in der Woche perieren sollte. Die Perificationsformel wurde auch durch die meisten Stimmen folgendermaßen angegeben: „Es lebe Ihre Magnifizenz, der Herr Johann Heinrich Eulerkapper, Ritter vom Fellago, des heiligen Römischen Reichs Großkroneselsohrträger, Hundsfott und Schwerdtfeger, hoch und abermals hoch und noch einmal hoch! Pereat Eulerkapper!“ – Dabei sollte, wenn sichs sonst tun ließe, der Periant dem Eulerkapper auch die Fenster einwerfen. 

Das löbliche Parlament gab gleich denselben Abend ein Beispiel der Befolgung der sanierten Gesetze. Alle Assessoren, nachdem sie sich derb benebelt hatten, zogen vor des armen Mannes Haus und perierten ihn in der besten Form. Der Eulerkapper, welcher sich nicht getraute, vor seine Tür zu treten, musste dem Lärmen ungerächt zuhören: denn er erkannte niemanden, war also nicht im Stande, einen Peristanten bei der Obrigkeit anzugeben. Seit dem Parlamentstage hatten die Kappereien kein Ende: alle Abende wurde von mehr als hundert Studenten, pereat Eulerkapper, gegrölt und eine Fensterkanonade vorgenommen. 

Ja, einst perierten ihn gar zwei junge Frauenzimmer. Es blieb aber nicht beim Perieren und Fenstereinschmeißen allein: es wurden auch Pastille, Liedchen und scheußliche Gemälde gemacht und aller Orten, besonders in der Gegend des Hauses dieses geplagten Schulmeisters, angeklebt. Da so oft Studenten vom Kapper erkannt wurden; so kamen auch nicht wenige aufs Karzer. Freilich war diese Strafe niemals scharf: ein, höchstens zwei, bei öfteren Wiederholung auch drei oder vier Tage Arrest, war die ganze Züchtigung – nebst der Bezahlung der zerschmissenen Fensterscheiben. Der Rector lachte allemal, wenn er jemanden wegen Kapperei vorhatte. 

Vorzüglich gefielen diese Possen dem Herrn Bechthold, welcher mich besonders, freilich im Spaß und mit großem Gelächter, des Satans Engel hieß, der Eulerkappern mit Fäusten schlüge. Dafür musste ich indes doch nach Cordanopolis* wandern.  

*Der damalige Karzerknecht – eine recht gute Anstalt ist das mit dem Gießer Karzerknecht! – hieß Conrad. Diesen Namen veränderten die Studenten in Cordanus und der Karzer hieß daher Cordanopolis.

Categories: Studentenleben

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