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# 17. Juni 1793 Bischofsheim: Belagerung von Mainz geht weiter - Mordgrube auf der rechten Rheinseite - Deutsche und Franzosen im Schimpf-Dialog - "...und nannten sich zuletzt gar Kamerad und Bruder"

Posted on July 21, 2014 at 2:12 PM
Lange hatte unser Bataillon auf der linken Rheinseite gestanden und rückte den 17. Juni auf die andre Seite ins Lager ohnweit Bischofsheim, wo der damalige Oberst von Rüchel das Oberkommando hatte. Hier war unser Dienst weit schwerer und gefährlicher als auf der linken Seite.

Wir hatten unter andren schlimmen Posten auch die sogenannte  Leimgrube dicht an einer Rheininsel zu besetzen. Diese Grube wurde von unsern Leuten bald die Mordgrube genannt, weil alle Tage mehrere daselbst erschossen wurden, denn auf der Insel, welche nur durch einen schmalen Kanal davon getrennt war, standen die Franzosen und sobald sich einer von uns über den aufgeworfnen Damm mit dem Kopfe erhob, schossen sie so gewiss, dass sie ihm allemal das Hirn zerschmetterten. In diesem Mordloch liegen viele von den Unsrigen begraben. Von unserm Battaillon allein büßten mehr als dreißig Mann ihr Leben da ein.

Die Franzosen waren, wie gesagt, nur durch einen schmalen Kanal von unserm Posten getrennt und sonach konnte man gegenseitig alles hören, was auf dieser oder jener Seite gesprochen wurde, wenn man nur vernehmlich sprach. 

Da ging sofort das Geschimpfe los...
Merkten nun die Deutschen, dass auch Deutsche unter den Franzosen waren, so ging sofort das Geschimpfe los, welches zuweilen viele Stunden immer im nämlichen Tone fortging, endlich blos zum Spaße.

Preuße: Hör du, sakkermentscher Patriot, wirst du bald die Schwerenot kriegen? 

Franzose: Elender Tyrannenknecht, sag, wird dich dein Korporal bald lahm oder todprügeln müssen? 

Preuße: Du verfluchter Königsmörder! 

Franzose: Du niederträchtiger Sklav! 

Preuße: Ihr Spitzbuben habt Euern König ermordet und dafür müsst ihr alle in die Hölle fahren. 

Franzose: Wenn ihr keine Hundsfötter wäret, so würdet ihr es allen Tyrannen ebenso machen! Wenn ihr das thätet, so wäret ihr noch Menschen, so aber seid ihr Tyrannensklaven, und verdient alle Prügel, die ihr bekommt. 

Preuße: Ihr habt noch all eure Strafe vor Euch. Die ganze Christenheit wird euch angreifen und eure gottlose Thaten bestrafen. 

Franzose: Lass sie doch kommen, die ganze Christenheit mit dem ganzen Heer des Teufels und mit der Armee des Erzengels Michael: wir fürchten uns nicht! 

Preuße: Aber Mainz müsst ihr hergeben: das soll Euch der Teufel nicht danken. 

Franzose: Lass auch Mainz zum Teufel fahren: glaubt ihr denn, wir scheren uns um so ein Rackernest, wie Mainz ist? Da steckt noch alles voll Pfafferei und Adel. Aber so leicht sollt ihrs doch noch nicht kriegen. 

Preuße: Wenn ihr nur euern König nicht umgebracht hättet – 

Franzose: Kamerad, sei kein Narr! Es ist nun einmal so, und weils einmal so ist, dass wir keinen König mehr haben, so wollen wir auch dafür sorgen, dass weder euer König, noch der Kaiser, noch der Teufel uns einen wieder geben soll. 

Preuße: Aber wo kein König ist, da sind auch keine Soldaten – 

Franzose: O du armer Kerl du, was räsonnierst du so dumm! Ja freilich, solche Soldaten giebt es dann nicht, wie du und deines gleichen. Ihr seid Sklaven, Leibeigene Knechte, die einen Tyrannen über sich haben müssen, der ihnen kaum halb satt zu essen giebt, und sie prügeln, spießrutenlaufen und krummschließen lässt, wenns ihm einfällt. Solche Soldaten sind wir nicht; wir sind freie Leute, republikanische Krieger. 

Preuße: Das ist aber bei uns anders, wir haben einen Herrn, dem wir gehorchen müssen. 

Franzose: Weil ihr gehorchen wollt. 

..u.s.w. Solche Gespräche fielen oft zwischen unseren Leuten und den Deutschen unter den Franzosen vor und man hatte seinen Spaß daran und lachte darüber … Als endlich die öftere Wiederholung das Interesse daran schwächte, wurden sie gegenseitig sanfter und nannten sich zuletzt gar Kamerad und Bruder.   

Sie machten oft sogar Kartell unter sich, versprachen, sich nicht zu schießen und traten sodann auf die Verschanzung, wo sie sich ganz freundschaftlich unterhielten. Dies  nur um zu zeigen, dass auch die kühnsten Ideen ohne Wirkung bleiben, sobald sie familiär werden, zumal Ideen vom Feinde

Unanständiges Verhalten...
...Herr von Rüchel versprach einmal einem Burschen einen Thaler, wenn er den Franzosen, nach Kostheim zu, den bloßen Hintern weisen wollte. – Herr von Rüchel war damals von Wein etwas bescheniert. – Der Bursche sagte ganz kalt: 

„Gern verdiente ich den Thaler: aber es schickt sich doch nicht, den Feind so zu behandeln.“  

Herr von Rüschel suchte fluchs einen andern, welcher für den Thaler, den Hintern entblößen, ihn den Franzosen hinweisen und dazu rufen musste: 

„Hier leckt mich im A-, ihr hunzföttischen Patrioten! Kommt her leckt!“  

– von diesem unanständigen Verfahren hat man sogar in Frankreich gesprochen. Auch ist es richtig, dass man durch dergleichen mehr sich als den Feind beschimpft. –

Categories: Kampf um Mainz

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1 Comment

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What a good and informative blog here.
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