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# 30. / 31. März 1793 Alsheim: Trügerische Sicherheit für den preußischen König - Wäre der König gefangen und nach Landau gebracht worden, so hätte der Krieg in kurzem ein Ende. Wer weiß, ob die Fortdauer desse

Posted on March 30, 2014 at 3:00 PM
Der König hatte zu Alsheim am Alt-Rhein, ohnweit Gundersblum, sein Quartier genommen, nachdem sich der französische General Houchard endlich auch von Alzey wegretiriret hatte: denn nun hielt man sich vor den Franzosen ganz sicher. Allein es stand noch ein Haufen bei Oppenheim, welcher zu Cüstines Armee gehörte, und in der Nacht
vom 30 zum 31sten März durchbrechen und eine Anzahl von Kostbarkeiten aus Mainz nach Landau bringen wollte. 

Als sie vollends erfuhren, dass der König von Preußen sein nur schwach besetztes Hauptquartier in Alsheim habe, so wurden sie voll Muth und beschlossen, dasselbe anzugreifen und den König gefangen zu nehmen. Diese Absicht hätten sie auch erreichen können, wenn nicht Merlin, der Repräsentant, dem General Blou das Kommando genommen hätte. Dadurch nämlich entstand Zwist unter den Nationalgarden und Linien-
truppen, wie die französiſchen Truppen damals und noch lange hernach hießen; und dieser Zwist verdarb den ganzen Plan. So stark die Franzosen anfänglich auch marschiert waren, so lass wurden sie jetzt und ließen sich auch noch zu einer Kanonade
gegen eine in aller Eile bei Hangen-Wohlheim aufgeworfnen Batterie verleiten, und drangen nicht vor. Sie hatten aber auch nicht Raum, sich auszudehnen, und wichen sehr bald nach Mainz zurück, ob sie gleich 8000 Mann stark gewesen sein sollen, da gewiss noch keine 2000 Preußen, alles mitgerechnet, gegen sie da waren. 

Bei diesem gefährlichen Anfall bewies sich unser König, wie sich ein König beweisen muss, der Soldaten im Kriege anführt. Bei der Nachricht, dass er überfallen sei, erblasste er zwar etwas und sagte: Hm, hm, das ist doch des Teufels! Aber sogleich gab er Befehle zur Vertheidigung und zwar so treffend, und anwendbar, dass seine Anstalten den erwünschten Erfolg haben mussten. Das Regiment Wolfrath, oder die braunen Husaren haben sich bei dieſer Gelegenheit besonders gut ausgezeichnet: Die Franzosen aber haben auch nicht viel Verlust gehabt. 

Wir lagen indessen in guter Ruhe in den Dörfern, und erfuhren erst den andern Tag, in welcher Gefahr unser König gewesen war. „Gott, was wäre das ein Unglück gewesen, sagte ein Offizier ganz laut, wenn der König wäre gefangen worden!“ Ein alter Major erwiederte hierauf: „Wer weiß auch, Herr Leutnant, obs ein großes Unglück gewesen wäre! Wäre der König gefangen und nach Landau gebracht worden, so hätte der Krieg in kurzem ein Ende. Wer weiß, ob die Fortdauer desselben nicht noch tausend Elend über Deutschland und über die ganze Welt bringt!“ Der gute Mann hatte nicht übel gesprochen.

Categories: Der Krieg geht weiter...

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