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# 21. Januar 1793 Paris: Louis VI. hingerichtet - Diskussion in der preußischen Armee

Posted on January 21, 2014 at 5:48 AM
Die  Hinrichtung  des armen  LudwigsXVI.  verbreitete, sobald sie bekannt wurde - und das wurde sie sehr bald - in der ganzen Armee anfänglich Schreck und Unwillen gegen ein Volk, welches sogar seinen König hätte hinrichten können.

Nun hieß es, kann es den Franzosen nicht mehr gut gehen. Nun muss Gottes Zorn und Rache sie verfolgen, man wird das bald genug sehen. In allen Gesellschaften, in allen Wirtshäusern und Schenken wurde von nichts gesprochen als von der abscheulichen Hinrichtung des armen Königs von Frankreich.

Aber je mehr man von dieser ungewöhnten Trauerszene sprach, je mehr man das Grausende derselben rumierte, desto mehr verschwand das Grässliche derselben und die ruhige Untersuchung darüber folgte auf die Deklamationen. Viele meinten, die Franzosen müssten doch wohl Ursache gehabt haben, so was vorzunehmen. Es müssten doch auch gescheite und gewissenhafte Leute in Paris sein.

Höchst: Während dieser Zeit war ich im "Schwan", einem Gasthofe zu Höchst mit Herrn Ruff. Das Gespräch kam von Ludwig XVi. auf die je hingerichteten Könige. Ich sagte, dass ihrer nur drei bekannt wären, welche durch das Gesetz seien hingerichtet worden: Agis von Lakedämon, Karl I. von Großbritannien und Ludwig XVI. von Frankreich. Tausend Monarchen seien zwar ermordet worden nach dem bekannten Spruch des Juvenalis:

       Ad generum Cereris sine caede et sanguine pauci
       descendunt reges, et sicca morte tyranni,

mir sei aber doch kein Exempel von gesetzlich hingerichteten Königen weiter bekannt als von den drei angegebnen, "Was den Lakedämonier belangt", fuhr ich fort, "so war der ein Untertan der Gesetze und folglich auch der Poenalverordnungen. Seine Hinrichtung war zwar höchst ungerecht, denn Agis war unschuldig, aber es war doch keine Frage in jener Republik, ob man den Vorsteher derselben, welchem man sehr uneigentlich den Namen König gab, hinrichten könnte, sobald er nach den Gesetzen des Todes schuldig wäre erkannt worden. Zu Lakedämon wurde Agis durch ein altes Gesetz verurteilt und nicht durch eine Verordnung, welche erst bei einer Volksrevolution wäre gemacht worden.

König Karl I. in England wurde zwar unter gerichtlicher Form getötet, aber die, welche sich über ihn zu sprechen erkühnten, waren nicht die englische Nation: es waren die Anhänger des Cromwell und seiner Partei. Die Nation hatte diese Fraktion nicht als eine Vertreterin ihrer Rechte aufgestellt. Folglich konnte dieselbe auch nicht das Todesurteil über Karl I. sprechen, ihr Spruch war folglich ungerecht. Und so schuldig dieser Prinz auch sein mochte, so war doch seine Ermordung eine grausame Ungerechtigkeit und ein schröcklicher Eingriff in die Rechte des englischen Volkes.

"Aber mit Ludwig XVI.", fuhr ich weiter fort. "scheint mir das Dimg eine andere Bewandtnis zu haben. Der Nationalkonvent oder die Nationalversammlung vertrat wirklich die ganze Nation und hatte folglich das Recht, Gesetze zu machen, ohne jemand - selbst den König nicht ausgenommen - um Rat zu fragen.

Dieses Gesetz, dass das Volk, durch die Nationalversammlung repräsentiert, eine Änderung in der Regierungsform machen könnte, hatte selbst der König angenommen und sanktioniert. Von nun an war also die Souveränität des Königs aufgehoben, d.i. er wurde dem Gesetz oder allem aus dem Rechteder Natur und der Menschheit hergeleiteten und herzuleitenden unmittelbaren Regeln des öffentlichen Gouvernements unterworfen.

Ludwig XVI. war also, was eigentlichjeder wahre König nur sein sollte, gesetzlicher Verwalter der Nationalkraft nach dem Nationalwillen oder nach den Gesetzen, welche die Nation selbst entworfen und gut geheißen hatte. Verwaltete er nun sein Oberstaatsamt nach dem allgemeinen Staatswillen, so tat er seine Pflicht und war des Gehorsams, der Ehre und seiner Besoldung bei der französischen Nation sicher und wert, denn jetzt erfüllte er den Nationalkontrakt und war das, was er der nach demselben der Nation zu sein feierlich geschworen hatte.

Handelte er aber dawider, besoldete er nach der Zivilliste, wie man ihn beschuldigte, die rebellischen Emigrierten. Und war er mit den Feinden der Nation gegen die Nation sogar einverstanden, so war er der erste, der den Nationalkontrakt brach, der sich selbst seiner Vorzüge nach demselben verlustig machte, der als der erste Meineidige und Hochverräter an der Nation dieser für seine gesetzwidrigen Handlungen verantwortlich blieb, der also den Nationalrepräsentanten es zur Pflicht machte, ihn vor ihr Gericht zu ziehen, die Nation war vor ihm zu sichern, seine Handlungen zu untersuchen und seine Vergehungen nach dem Nationalwillen zu bestrafen.

Ich weiß zwar recht wohl", setze ich hinzu, "dass 1789 ein Gesetz in Frankreich gemacht ist, nach welchem der König unverletzbar sein sollte. Allein dieses Gesetz konnte allemal, wie jedes andere, geändert und abgeschafft werden, sobald die Nation als die eigentliche und rechtmäßige Gesetzgeberin einsah, dass es dem öffentlichen oder allgemeinenWohl zuwider war. Hieraus ergibt sich nun von selbst, dass Ludwig XVI. vor das Gericht des Nationalkonvents gehörte und die einzige Frage wäre noch aufzulösen, ob er wirklich Staatsverbrechen begangen habe, welche den Tod verdienten, um auch seine Hinrichtung vollkommen zu rechtfertigen. 

Ich will dem armen Ludwig keine Verbrechen schuld geben - denn ich habe die Akten seines Prozesses nicht gelesen* - aber behaupten muss ich, dass der Konvent das forum competens war, wovon er gerichtet werden musste. Und da dieser die Nation vertrat, so wissen die, welche von einer Appellation an das Volk reden, nicht recht, was sie wollen.

Überhaupt, ob ein Volk seinen Souverän richten könne", fügte ich hinzu, "scheint sogar zu den despotischen Zeiten der römischen Kaiser kein Problem gewesen zu sein. Der römische Senat oder die Repräsentanten des römischen Volkes erklärten den Claudius Nero für einen Feind des Vaterlands und bestimmten ihn zum Tode.

Kurz, die Geschichte wie der gesunde Menschenverstand lehrt, dass bei jeder wohl rechtmäßig eingerichteten Menschenregierung der Regent seinen Untergebenen verantwortlich bleiben muss, indem es wider die Pflicht eines jeden und aller sein würde, sich unbedingt und wider das natürliche Recht zur Freiheit jemanden zur willkürlichen Behandlung ohne alle Rücksprache zu unterwerfen."

Ich ließ mich damals noch weitläufiger über diese wichtige und zu der Zeit sehr interessante Materie aus. Ein Offizier von der Kavallerie, ein Rittmeister, saß in einiger Entfernung von mir und schien eben auf meine Rede nicht sehr zu merken.

Rödelheim: Einige Tage hernach kam ein Reiter und bat mich, zu seinem Herrn nach Rödelheim zu kommen. Hier fand ich meinen Rittmeister, den ich nicht nennen will, um ihn nicht in den Verdacht der Jakobierei zu bringen, nebst noch andern Offizieren. Diesen Herren musste ich mein ganzes System - so wie ich mir es damals geformt hatte . weitläufig bei einem Glas Rheinwein erklären. Sie schienen mit meiner Behauptung und Auseinandersetzung zufrieden, nur warnten sie mich, behutsam damit zu sein; denn von preußischer Seite, meinten sie, müsse man sich wenigstens noch immer stellen, als wenn man schrecklich böse auf die Buben wäre, welche ihren König hingerichtet hätten.

*Man wolle es nicht außer Acht lassen, dass ich dies im Winter 1793
vortrug, folglich von dem noch nicht Gebrauch machen konnte, was ich 
nachher in Frankreich über Ludwig XVI. erfuhr.

Unsere Armee hatte an allem entsetzlichen Verlust gelitten, besonders an Mannschaft. Man musste daher schlechterdings die Regimenter wieder suchen vollzählig zu machen und dazu wurden die jungen Leute von den Depots genommen. Diese Depots sind sozusagen die Pflanzschulen der Regimenter und dienen zugleich zum Unterbringen der Soldaten, welche nicht mehr dienen können. Diese Einrichtung war vor der Regierung des jetzigen Königs unbekannt und hat sowohl ihre Vorteile als ihre Nachteile.

Recht eifrig sorgte unser König für anständige Kleidung des Heeres und für Wiederanschaffung aller verdorbenen und zugrundegegangenen Gerätschaften. Auch wurden die Pferde wieder ersetzt, welche teils auf dem Feldzuge geblieben, teils den Winter über so zahlreich nachkrepiert waren.

Categories: Der Krieg geht weiter...

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1 Comment

Reply occasion omega montres
4:51 PM on March 30, 2019 
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