Mein Blog

Blog

# Samstag, 28. Dezember Halle: Und wenn ich nun so meine vorige Lage mit der gegenwärtigen verglich, fand ich diese eben nicht sehr schlimm.

Posted on December 27, 2013 at 6:14 PM
Den folgenden Tag, es war ein Sonnabend, war ich viel ruhiger als den vorigen. Ich konnte über alles, was mir begegnete, gehörig nachdenken. Und wenn ich nun so meine vorige Lage mit der gegenwärtigen verglich, fand ich diese eben nicht sehr schlimm. Mein natürlicher Leichtsinn kam mir hier, wie sonst bei vielen Vorfällen meines Lebens, zustatten. Ich legte alles auf die leichte Achsel. Es wird schon alles noch gut werden, dacht’ ich und wenn’s nicht gut werden will, je nun, am Ende bleibt dir doch das Mittel übrig, welches keinem Menschen entsteht – das Pistol oder der Strick. Auch in dieser Vorstellung lag damals Beruhigung und etwas Angenehmes für mich. 

Die stoische Philosophie ist wahrlich kein dummes System und der Mensch, welcher sich mit ihren Grundsätzen vertraut macht, kann unmöglich verzweifeln. Denn was die Moralisten, insbesondere die Pfaffen sagen, Selbstmord sei allemal Verzweiflung, ist mit der gnädigen Erlaubnis dieser Herren so wenig wahr, als er allemal Kleinmut oder Verbrechen ist. Ich habe meine guten Gründe für diese Behauptung. Meine Leser werden daher nicht zürnen, wenn ich ihnen meine Gedanken so ganz trocken hinlege. 

Ich gehöre nicht zu denen, welche aus Heroismus, zur Ehre Gottes oder zum Preis der Tugend alles Unglück und alle Not gern ertragen möchten. Würde ich meinen Zustand übermäßig elend fühlen, so würde ich ihn schon enden. Alle Gründe und Beweise für die so genannte allwaltende Vorsehung, wie diese von Leß, Hermes und Jerusalem beschrieben wird, haben mich niemals überführen können. Ich will gern jedem seinen Glauben in diesem Stück lassen und es jedem gönnen, in dem Vertrauen auf die göttliche Vorsehung und Regierung der Welt seine Beruhigung zu finden. Aber mir muss man es auch lassen, dass ich mich auf eine gewisse fatale Verkettung der Dinge gründe und dadurch mein Schicksal mir erleichtere. 

Mein Fatalismus hebt die Freiheit nicht ganz auf und ist daher unschädlich. Wer sich aber an diesem meinen offenherzigen Bekenntnis stoßen will, der muss sich noch mehr an den „Leiden des jungen Werther“ von Goethe stoßen. Diese gehen dogmatisch zu Werke, da ich es blos historisch tue. Doch was hilft hier disputieren! Wem es wohl geht, erschießt oder erhängt sich nicht und wem es so übel geht, dass er’s tut, dem ist’s zu verzeihen. Er geht mehr mechanisch als moralisch zu Werke. Und darum hob Friedrich II. die schändlichen Strafen dafür auch auf.

Categories: ...im Soldatendienst Preußens

Post a Comment

Oops!

Oops, you forgot something.

Oops!

The words you entered did not match the given text. Please try again.

1 Comment

Reply replica breitling horloges
2:22 AM on March 30, 2019 
rttrytghjghjghj