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# 6. Dezember 1783 Halle: ...verzweifelte Lage

Posted on December 6, 2013 at 5:34 PM
Meine beiden Disputationen, der Verlust des Honorars für meinen „Baldrian“, die Geldausgaben, um mich durch Zerstreuungen von dem Ärger über dies und jenes zu erholen, nebst meiner Gutmütigkeit, einem jeden gern mitzuteilen, was ich hatte – das alles hatte mir Schulden zugezogen, zu deren Tilgung mein Wechsel mich nicht erreichte.
Dass ich mit meinen Kollegien wenig werde verdient haben, versteht sich für mich als Anfänger schon von selbst. Einmal ist in Halle das Freirennen der Kollegien gar sehr gewöhnlich. Da denken viele Studierende, das Geld könne in Lauchstädt, Leipzig, auf den Dörfern und beim Spiel besser angewandt werden als zum Honorare für die Dozenten. Zudem war ich von jeher nachgiebig und wenn mich jemand um etwas bat, dem konnte ich nichts abschlagen. 

Und so hatte ich von dreißig Zuhörern kaum zehne, die bezahlen wollten und unter diesen zehnen waren noch einige, die es hernach ganz und gar vergaßen. Ich glaube aber doch, wenn ich weiterhin bei der Universität geblieben wäre, dass ich in Zukunft bessere Einkünfte von Kollegien würde gehabt haben, weil ich mehr in Routine gekommen wäre und ohne Zweifel auch einige Künste gelernt hätte, wie man gutzahlende Zuhörer in sein Auditorium hineinlockt. 

Indessen setzte ich meine Vorlesungen fleißig fort. Da es mir aber an Holz fehlte, das Auditorium zu heizen, so verloren sich meine Zuhörer nach und nach. Die Studenten hatten sich zwar zum Holzgelde unterschrieben, allein nur wenige zahlten. Und das Busserl Holz, welches für für das wenige Geld angeschafft werden konnte, war gar bald verbrannt, zumal da ich das Einheizen durch Leute musste geschehen lassen, welche mich derb prellten. 

Was Wunder, wenn nun der eine Student, wie ich es selbst gehört habe, zum andern sagte: „Gern ging ich in Laukhards Reichshistorie, er gefällt mir besser als der…., aber es ist zu kalt in seinem Kollegium, man möchte das Fieber kriegen“, und der andre dann replizierte: „Es ist schade, dass der Mann so in Not ist; hätt ich Geld, ich kaufte ihm Holz.“ Wie gesagt, ich hörte dies von ohngefähr und hörte hinterdreinn noch eine weitläufige Beschreibung meiner fatalen Lage, welche durchaus wahr, aber desto schmerzhafter für mich war. 

Ich rannte nach Haus, als ich dies gehört hatte. Es war ohngefähr den 6. Dezember 1783 und schrieb einen äußerst heftigen Brief an meinen Vater, dem ich einen an meinen Bruder beischloss.

Categories: Magister Laukhard

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