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# Ende Oktober 1792 im Grenzland: Meuterische Reden – Schuhmacher machtlos

Posted on October 26, 2013 at 1:44 PM
Es war schon, ehe wir die Standquartiere verließen, befohlen worden, dass man besonders für gutes Schuhwerk der Soldaten sorgen und hinlänglich dazu mitnehmen sollte, um die abgehenden gleich wieder ersetzen zu können. Aber unsre Herren hatten so für sich auskalkuliert, dass der ganze Krieg wohl nur ein Vierteljahr dauern könnte, und waren eben darum auch in Befolgung dieses Befehls sehr nachlässig gewesen. Die Folgen der Nachlässigkeit in einem so äußerst wichtigen Punkte zeigen sich bald. In der ganzen Armee fingen die Schuhe bei dem scheußlichen Rückzug aus Champagne auf einmal so an zu reißen, dass beinahe kein einziger Soldat gutes Schuhwerk noch hatte. Sogar die Offiziere trugen zerrissene Stiefel und die armen Packknechte gingen vollends gar barfuß.
 
Es war schändlich anzusehn, wie die Preußen da ohne Schuhe durch den Kot zerrten und ihre Füße an den spitzigen Steinen blutrünstig aufrissen, Viele hatten Lappen und Heu um die Füße gewickelt, um sie vor den kleinen scharfen Seinen zu sichern. 

Freilich wurde befohlen, dass alle Soldaten, welche das Schuhmacherhandwerk verstünden und von deren es bei allen Regimentern gibt, arbeiten und die zerrissenen Schuhe wieder ausbessern sollten. Aber was war da auszubessern! Es fehlte ja bei den meisten an Leder, Hanf und Pech. Überdies denke man sich einen Schuster, der im Schlamm und in der Kälte arbeiten soll! Unser Hauptmann gab zwar sein eignes Zelt für die Schuhmacher her und ließ sie darunter arbeiten, nur damit sie Platz haben sollten, und doch fehlten in unserer Kompanie die Schuhe ebenso sehr als in andern. Der Feldwebel Gruneberg hatte immer seine wahre Not, wenn er die Wache kommandieren sollte: von vier Mann hatten allemal drei keine Schuhe und konnten doch barfuß nicht auf die Wache ziehen! 

Der schlechte Zustand des Schuhwesens machte mehr scharfe meuterische Reden bei der Armee rege als selbst der Hunger. Die Soldaten klagten laut und brachten in Äußerungen aus, welche zu jeder andern Zeit wären bestraft worden, aber auf einem Rückzug, wie unser Rückzug aus Frankreich war, mussten unsre Offiziere schon schweigen und die Leute murren und schimpfen lassen. 

Bei der österreichischen Armee war es eben nicht besser, da hatten die meisten auch keine Schuhe und liefen barfuß. Ach die Herren Emigrierten mussten barfuß mit herumlatschen, eben jene großen Herren, welche kurz vorher die Koblenzer, Wormser, Binger und andere Schuster die Schuhe nicht leicht und niedlich genug machen konnten!

Categories: Jämmerlicher Abzug aus Frankreich

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