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# Nachtrag zum Frühjahr 1775 Gießen: Auch ich ward leider burschikos – Sieger im Duell

Posted on October 13, 2013 at 5:04 PM
Ich fand zu Gießen einige Landsleute, welche mich zustutzten und mit dem Komment, vertraut machten. Ich sah die Burschen, ich bewunderte sie, und machte so recht affenartig alles nach, was mir an ihnen als heroisch auffiel. Da ich bemerkte, dass die meisten den Hut quer trugen, so trug ich den meinen auch so, und gefiel! 

Zum Unglück war gleich in Wieseck ein Kommers, ich wohnte demselben bei, musste über zehn Maß Bier zur Strafe ausleeren, weil ich die Kommerslieder nicht auswendig wusste, und erwarb über dreißig Duzbrüder! Wer war froher als ich! Dreißig honorige Bursche, die ich von dem Augenblick an Du heißen durfte! 

Calvin mag sich kaum so gefreut haben über die Qualen des braven Servets in den Flammen, als ich mich freute, da ich den Degen am Balken betrachtete, woran die Hüte und mit ihnen die Brüderschaften angespießt waren! Ich sah mich nun mit ganz anderen Augen an als zuvor, und ward umso eifriger in dem edlen Vorsatz, ein recht honoriger Bursche zu werden. 

Will weder Fuchs genannt werden – noch ein krasser Kerl...
Hierzu zeigte sich auch bald Gelegenheit. Es studierte ein gewisser von Avemann in Gießen, ein Erzrenommist und Schläger, vor dem man gewissen Respekt äußerte, ob er gleich an Liederlichkeit seines gleichen nicht mehr hatte. Es schien ihm sogar der gesunde Menschenverstand zu fehlen. Dieser Avemann nannte oder schalt mich einst auf dem Schießhaus –  Fuchs. Ich nahm das Wort hässlich auf, denn meine Kameraden hatten mir aufgebunden, mich durchaus nicht Fuchs,  krassen Kerl usw. nennen zu lassen. Also trat ich zu ihm und verbat mir den Ehrentitel. Avemann lachte mir ins Gesicht, worüber ich so erboste, dass ich ihn einen dummen Jungen nannte. Hierauf hob er die Hand auf, um mich zu maulschellieren. 

Meine Freunde hielten ihn zurück und erklärten dem Großsprecher, dass er Desavantage sei und daher von mir Satisfaktion fordern müsste. Avemann ergrimmte schrecklich, denn nichts konnte ihm empfindlicher sein, als dass er, ein Erzrenommist, von einem Fuchs Genugtuung fordern sollte. Aber es musste nun einmal so sein. 

Der übermorgige Tag wurde also zur Balgerei festgesetzt. 
Ich hatte mich zwar schon vorher etwas im Fechten geübt, jetzt aber gaben sich meine Freunde alle Mühe, mich ein wenig mehr ein zu schustern in diese edle Kunst, um doch nicht ganz als Naturalist aufzutreten.  Wir schlugen uns nun wirklich. Avemann verletzte mir ein klein wenig den Arm, ich aber ihm derber sein Kollett –  und der Skandal hatte ein Ende. Nachdem wir Frieden gemacht hatten, sahen alle Anwesenden mich mit Augen an, die vor Freude und Beifall funkelten: Da war Bruder Laukhard hinten und Bruder Laukhard vorne! Jeder würdigte mich seiner besonderen Freundschaft, und ich Tor war über den Ausgang dieses Handels so begeistert, wie kein General es sein kann, wenn er eine Menschenschlacht gewonnen hat!

Categories: Studentenleben

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