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# 10. Oktober 1792 Laurmont: Schlafen ohne Stroh im Schlamm

Posted on October 9, 2013 at 6:13 PM
Am 10. kamen wir bei Laurmont ins Lager, aber man konnte hier kein Stroh bekommen, uns drauf zu legen. Die Dörfer waren schon vorher durch Kavallerie von allem Stroh beraubt worden. Wir mussten daher auf der bloßen nassen Erde in den Zelten herumliegen und da es noch obendrein die Nacht stark regnete und das Wasser auch hier wieder in unsere Zelte eindrang, so brachten wir abermals eine ganz abscheuliche Nacht hier zu.

Categories: Jämmerlicher Abzug aus Frankreich

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9:54 PM on October 10, 2013 
Am 10. Oktober 1992 schreibt Goethe an Christiane Vulpius:

Deine Briefe hab ich nun alle, mein liebes Herz; das Packet, das so lange außenblieb, hab ich auch erhalten und zwar in einem Augenblicke, wo ich große Langeweile hatte. Ich war recht vergnügt, so viel von Dir zu lesen.
Die Freude über das Judenkrämchen kann ich mir vorstellen. Ich mache mir Vorwürfe, daß ich nicht Spielsachen für den Kleinen eingepackt und den Sohn über die Mutter vergessen habe; er soll nun auch was haben, entweder bring ichs mit oder schicke es voraus. Du wirst nun wohl schon wissen, daß es nicht nach Paris geht, daß wir auf dem Rückzuge sind. Vielleicht bin ich, wenn Du diesen Brief erhältst, schon wieder in Deutschland. Der Krieg geht nicht nach Wunsch, aber Dein Wunsch wird erfüllt, mich bald wieder nahe zu wissen.
Ich habe viel ausgestanden, aber meine Gesundheit ist ganz fürtrefflich, es fehlt mir nicht das Mindeste, und an Hypochondrie ist gar nicht zu denken. Du wirst einen recht muntern Freund wieder kriegen.
Du hast wohlgethan, mir nichts vom Uebel des Kleinen zu schreiben, bis es vorbei war. Ich wünsche, euch beide bald wiederzusehen und euch an mein Herz zu drücken.
Wenn ich Dir etwas schrieb, das Dich betrüben konnte, so mußt Du mir verzeihen. Deine Liebe ist mir so kostbar, daß ich sehr unglücklich sein würde, sie zu verlieren, Du mußt mir wohl ein bißchen Eifersucht und Sorge vergeben.
Ich hoffe, Du bist nun in Helmershausens Quartier, auf alle Fälle habe ich dem Herrn Geh. Assistenz-Rath ein Wort geschrieben. Ich hoffe, bis ich komme, soll die Treppe und der Hausplatz auch fertig werden und alles recht einladend und gemüthlich sein. Es wird eine recht gute Zeit werden, wenn wir uns wiedersehen.
In wenig Tagen hoffe ich Dir wieder näher zu sein, und Du erhältst wieder einen Brief. Nun wirst Du ja auch wieder in die Komödie gehen und die Abende wenigstens eine kleine Lust haben.
Lebe wohl, küsse den Kleinen und sei vergnügt in Deinem Hauswesen. Diesen Brief schreibe ich Dir aus Verdun, wo ich mich einmal wieder im Trocknen bei einem Kaminfeuer erquicke.
Venus ist sehr krank und auch in der Stadt. Das Wetter ist entsetzlich und der Koth überall abscheulich.
Gedenke mein und lebe wohl.
Verdun, den 10. October 1792.
G.
An Christian Gottlob Voigt
Verdün d. 10. Octbr. 92.


...und an Christian Gottlob Voigt:

Daß unser Kriegsstern rückgängig ist werden Sie wissen. Ihr Fragezeichen vor ?Chaalons war wohl angebracht, ich erhielt Ihren lieben Brief bey Dun auf unsrem Rückmarsche.
Es läßt sich viel über das alles sagen, es wird viel gesagt werden, und doch wird ein großer Theil dieser sonderbaren Geschichte ein Geheimniß bleiben.
Von den Hindernissen die durch Wittrung und Wege entstanden sind hat niemand einen Begriff als wer mitgelitten hat. Wir haben in diesen sechs Wochen mehr Mühseligkeit, Noth, Sorge, Elend, Gefahr ausgestanden und gesehen als in unserm ganzen Leben. Der Herzog ist recht wohl und ich habe mich auch gut gehalten.
Für Ihre Briefe dancke ich recht herzlich, sie haben mir in verdrüßlichen Stunden eine gute Unterhaltung gegeben, sie haben mich von dem Anteil der hinterlassnen Freunde überzeugt, sie haben mir die Geschäffte die mich interessiren gegenwärtig gehalten. Besonders hat mich der Ahndungs und Traumgeist unserer Freundinnen sehr gefreut und ich muß gestehen daß in Momenten wo soviel auf dem Spiele steht mancher selbst unter uns in dem Falle war von der Philosophie zum Glauben überzugehen. Der gemeine[32] Mann wenigstens konnte das üble Wetter nur einem französchen Daimon zuschreiben.

Quellen:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/3643/1
http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Briefe/17
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