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# 9. Oktober 1992 Conconvoix: Für Pferde durfte man damals kein Mitleid haben, man konnte es nicht mal für Menschen!

Posted on October 8, 2013 at 7:47 PM
Vom 6. Oktober an marschierten wir einige Tage hintereinander, oder vielmehr wir wateten durch Wasser und Kot bis auf den 9. Oktober. Wegen der gewaltigen Wege und des beinahe immer anhaltenden Regens konnte man nur ganz kleine Märsche von drei, vier, höchstens fünf Stunden machen, und doch brach man jedesmal mit dem Tage, oft auch noch vor Tage auf und marschierte bis zur sinkenden Nacht. Kamen wir dann endlich an den Ort, wo das Lager sein sollte, so wurden die Zelte aufgestellt – freilich nicht so wie bei der Revue zu Magdeburg oder zu Berlin, sondern wie man nur konnte. Oft legten sich die Soldaten aus mehreren Zelten zusammen in eins und ließen die andern unaufgeschlagen im Kote liegen. 

Das Elend wurde täglich größer. Die Wege wurden immer schlechter und die Mannschaft wie die Pferde wurden immer matter und kränker. Von Hans an bis nach Luxembourg war der Marsch der Preußen mit toten Pferden wie angefüllt, entweder schon tot oder doch dem Tode nahe.  Manche hatte man auch, weil sie nicht mehr ziehen konnten, laufen lassen und sie dem Hungertode preisgegeben. Vielleicht haben nach unserm Abzüge die Bauern sie aufgefangen oder aus Mitleid getötet. Es war wirklich ein schrecklicher Anblick, so viel armes Vieh da herumliegen zu sehen, das zum Teil noch lebte und über deren Körper Wagen, andre Pferde und Menschen quatschten. Aber für Pferde durfte man damals kein Mitleid haben, man konnte es nicht mal für Menschen! 

Die Kranken – mir schaudert noch die Haut, wenn ich an das Übermaß all des Elends denke, welches unsre armen Kranken auf dieser verfluchten Retirade überstehen mussten! – die Kranken also mehrten sich jeden Tag, so, dass endlich kaum Fuhren genug zu haben waren, sie wegzubringen. Das Übel, welches unser Heer so schrecklich zerstörte, war, wie wir wissen, besonders die Ruhr. Es lagen aber auch sehr viele an Gicht und andern arthritischen Zufällen. Die Ruhr mehrte sich durch den Notgenuss des unreifen Obstes und Weins. 

Am 9. Oktober wurde also abermals geplündert oder, wie man es nannte, furagiert. Mir ist nicht selten der Gedanke eingefallen, dass, wenn die Franzosen das dortige flache Land auf fünf Meilen im Umkreise zerstört und die Dörfer abgebrannt hätten, die preußische Armee in die äußerste Hungersnot geraten wäre...

Categories: Jämmerlicher Abzug aus Frankreich

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