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#12. September 1775 – heute vor 238 Jahren: Bellermarkt bei Eckelheim beginnt...

Posted on September 12, 2013 at 10:25 AM
Ich hörte in Flonheim, dass heute der  erste  Bellermarkttag wäre. Das war mir eine erwünschte Nachricht. Ich hatte von Alzey aus ein Pferd mitgenommen und nun statt nach Wendelsheim zu reiten, ritt ich à la Bursch angezogen, mit einem derben Hieber versehen, auf den  Bellermarkt. Gleich vorne an traf ich den ehrlichen Töpfer Engel aus Wendelsheim, der da sein irdenes Geschirr feil hatte. 

Engel:  Ei Herr Jeh! Mus-che Fritz, willkum! Ach um Gottes Wille, wo kumme Sie dann her? 

Ich: Heute nicht weiter als von Alzey. Hör er, Meister, ist mein Vater hier? 

Engel: Noch nit: er werd abber doch bal kumme. Die Mammese kimt och, un och die Tantese, (Mamma und Tante) 

Ich: Ist sonst kein Bekannter hier? 

Engel: (vertraulich) Mus-che Fritz, Ehr Mensch (Ihre Geliebte) es schun da mit ehrem Babe (Papa). 

Ich: Das wäre! Und wo sind die, mein lieber Meister? 

Engel: Da unne in Bremshütt. 

Ich: Da muss ich gleich hin! à propos Lieber! ich habe eine Bitte an ihn. 

Engel: Wann eichs (ich es) tu kann, mit Fröde. 

Ich: Kann er mir einige Gulden vorstrecken, bis wir nach Hause kommen? 

Engel: (sehr freudig) Ei warum nit. Eich will Ehne zehn Gulle gebe: hun Se damet genug?

Ich: Mit der Hälfte! Wenn ich nur fünf Gulden habe. 

Engel: (zählt Geld) Nä, da seyn zehn Gulle, es es schun gut. Se (zu) Wennelshem gebe Se mer se weder. 

Thereschen...
Auf diese Weise war mein Beutel wieder in Ordnung, welcher auf der Reise, besonders zu Frankfurt, ziemlich schwindsüchtig geworden war. Hierauf band ich mein Pferd an den Wagen des ehrlichen Engel und ging, mein Mädchen aufzusuchen. Ich fand sie bald, aber wie rot ward sie über und über, als sie mich erblickte! Ihr Vater schüttelte mir indes traulich die Hand und bewillkommte mich, als wäre ich sein Sohn gewesen. Aber wegen der Herumstehenden konnten wir nichts reden, was zur Sache gehörte. Vielmehr ermahnte er mich, ihn und seiner Tochter zu verlassen, damit uns mein Vater, der wahrscheinlich auch kommen würde, nicht zusammen fände und hernach von neuem lärmte. Ich fand diesen Grund vernünftig, empfahl mich, versprach aber, den folgenden Morgen sie wieder zu besuchen, und ging. 

Weit von Bremshütte setzte ich mich in eine andere, worin ich einige geistliche Herren, die ich kannte, sah, und fing an, á la Bursch zu zechen. Kaum hatte ich einen Schoppen Wein geleert, als mein Vater mit einer starken Gesellschaft vorbei ging. Ich lief auf ihn zu, grüßte ihn: und der gute Mann, so unerwartet ihm auch mein Hervortreten war, gab doch sein Vergnügen zu erkennen, dass er mich sah. 

Wieder zu Hause
Wir waren sehr vergnügt: es war da alles so philanthropisch! keiner nahm dem andern etwas übel. Den Abend ging es nach Wendelsheim: mein Vater und seine Gesellschaft zu Fuße; ich aber ritt ganz burschikos neben her und sprach vom Kommend. Meinem Vater missfiel dies, wie ich aus seiner verdrießlichen Mine merkte; die andern schienen aber ganz Ohr zu sein. Endlich kamen wir an und die Bauern und Nachbarn liefen alle zusammen, den Mus-che Fritz, den sie seit dem Jänner nicht gesehen hatten, zu beschauen, ob er auch recht bengelich (stark und robust) geworden wäre. Mein Vater fragte mich, woher ich das Ross hätte und da log ich ihm vor, ich habe es zu Flonheim genommen, wo noch ein Bekannter von mir sich aufhielte: ich würde es den folgenden Morgen wieder dahin reiten: so fragte er nicht weiter. Ich war sehr müde und hätte gern andern Tag geschlafen bis 8 Uhr; aber ich wollte ja Thereschen besuchen...

Categories: Studentenleben

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