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#5. September 1792 bei l'Entrée: Das so genannte Drecklager – Erinnerung an Eulerkapper

Posted on September 5, 2013 at 7:50 AM
Endlich ward es Tag und die Soldaten krochen aus ihren Zelten wie die Säue aus ihren Ställen – sahen auch aus wie diese Tiere, wenn sie aus Ställen kommen, welche in sechs Wochen nicht gereinigt sind. Der Kot, worin man sofort patschen musste, wenn man aus dem Zelte heraustrat, lief gleich in die Schuhe; denn er war dünn und tief, worüber denn einige Soldaten dumpf brummten, andre laut fluchten, alle aber darin übereinkamen, dass dieses abscheuliche Lager sofort „Drecklager“ heißen sollte. 

Nichts blieb übrig als Jammer und Elend
Nun wurde befohlen oder vielmehr angesagt, dass Stroh sollte gelangt werden: Stroh holen hieß aber damals, den ungedroschenen Weizen – Roggen wächst in Champagne nicht, wenigstens hab’ ich keine gesehn; in Lotharingen war Roggen anzutreffen –, also man holte den ungedroschenen Weizen aus den Scheunen, warf ihn wer weiß wie hoch ins Zelt und legte sich dann auf ihn hin. Dieses konnte um soviel leichter geschehen, da einem jeden erlaubt war, so viel Stroh, d.i. Weizen, zu nehmen, als er gerade wollte oder konnte. Da nun auch die Kavalleristen ihre Courage aus den Scheunen der Bauern holten, auch die Pack- und andere Pferde daraus versehen wurden, so kann man leicht denken, dass in den Dörfern, in deren Nähe unser Lager stand, nichts übrig blieb als Jammer und Leere.  In l’Entrée war nach drei Stunden keine Weizengarbe mehr anzutreffen. Und das ging ebenso in den übrigen Dörfern. Dass alle Häuser obendrein rein ausgeplündert wurden, versteht sich von selbst. 

Erinnerung an Eulerkapper
Ich hätte bei diesem Stroh- oder Garben holen beinahe den Hals zerbrochen; denn ich fiel in einer Scheune von einem hohen Gerüste, jedoch ohne Schaden. Ich habe in diesem Sumpflager öfters an einen Vorfall gedacht, der mir in Gießen schon 16 Jahre vorher begegnet war. Ich hatte nämlich einst den armen Eulerkapper mitperiert und war auf dem Rücksprung, weil Eulerkapper mich verfolgte, in eine Mistgrube gefallen und abscheulich besudelt. Damals lachte ich recht sehr über meinen komischen Zufall und rühmte mich desselben hernach mehrmals. Jetzt aber war ich missmutig, da man mich zwang, in Champagne im Kote herumzulatschen.

Categories: Krieg den Hütten...

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1 Comment

Reply Friedrich Christian Laukhard schreibt im Rückblick
7:29 PM on September 6, 2013 
Das Schicksal hat mich noch immer ziemlich geschont, wie man in der Folge einige auffallende Beispiele davon sehen wird, aber vielleicht, um mich noch einmal weit härter mitzunehmen. Indes: „Mori Nold“, sagt ein Philosoph, „sed mortuum esse nihil curo.“ Und der Mann hatte wohl recht. Warum sollte ich es denn für ein Glück halten, dass ich in l’Entrée den Hals nicht brach, in Landau oder Macon nicht guillotiniert wurde oder dass mich der Franzose in Lyon, wie die Folge lehren wird, nicht niederstach? Ich sehe das noch nicht recht ein, aber soviel ist gewiss, dass, wenn einer von den Fällen mich weggerafft hätte, ich nachher mancher trüben und kummervollen Stunde überhoben geblieben wäre.