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#4. September 1792: Zu erschöpft zum Desertieren

Posted on September 4, 2013 at 6:25 AM
Den zweiten Tag kamen wir der französischen Armee oder vielmehr einem Korps derselben nahe. Wir marschierten zwar den ganzen Tag, aber so jämmerlich, dass wir jedesmal eine halbe Stunde vorwärts machten und hernach wieder eine Stunde, auch wohl länger, im Kote herum stillelagen wie die Schweine. Ich wurde, so wenig mich sonst Strapazen niederbeugen, auf diesem langen Marsche so unmutig, dass ich meine Lage verwünschte und  wäre ich nicht so erschöpft gewesen, zu den Franzosen übergegangen wäre, so sehr ich die Deserteure sonst auch hasse. 

Stürmische erste Nacht im sogenannten Drecklager
Endlich erreichten wir ein Dorf, l’Entrée genannt, worin der König sein Hauptquartier nahm und wobei wir unser Lager aufschlagen sollten. Aber unsre Packpferde waren aus Furcht vor den Franzosen zurückgeblieben und wir mussten nun da unter freiem Himmel liegen bleiben bis nachts zwölf Uhr. Wir machten freilich Feuer an und holten dazu aus dem Dorfe l’Entrée heraus, was wir in der finstern Nacht von Holz finden konnten. Aber diese Feuer, so höllenmäßig sie auch aussahen, waren doch nicht hinlänglich, uns gegen den fürchterlichen Wind und den abscheulichen Regen zu sichern. 

Dieser Regen fing sogleich an, als wir die Zelte aufgerichtet und uns auf die blanke Erde – denn Stroh konnten wir in der Nacht doch nicht holen – hineingelegt hatten, und er wurde so heftig, dass das Wasser von allen Seiten in die Zelte eindrang und uns alle durchnässte. Niemand konnte liegen bleiben, noch weniger schlafen. Man setzte sich auf die Tornister und Patronentaschen und jeder fluchte auf sein Schicksal. Man denke uns in dieser Gruppe! Man hörte die grässlichsten Lästerungen auf Gott und sein Regenwetter.

„Es ist Strafe Gottes“, sagten die Vernünftigen, „Gott hat keinen Gefallen an unserm Kriege! Er will nicht, dass wir sein Werk in Frankreich stören sollen: die Revolution ist sein Werk, die Patrioten tun seinen Willen und die Emigranten sind Spitzbuben, es hole sie der Teufel!“ Unsre Munition an Pulver wurde selbige Nacht größtenteils nass und zum Schießen unbrauchbar. Einige warfen auch schon bei ihrem Ausmarsche aus diesem Lager ihre Patronen weg und ließen sich hernach bei der Retirade, als wir sogar mehrere Pulverwagen verbrannten, andere geben.

Categories: Krieg den Hütten...

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