Mein Blog

Blog

Gießen August 1777: Eulerkappereien – Die Musensöhne sind oft sehr bösartige Kinder

Posted on August 31, 2013 at 4:38 PM
Ohngefähr im Monat August dieses Jahres entstanden in Gießen die Eulerkappereien… am Wagengässchen, wohnte ein gewisser Euler, welcher in seiner Jugend Theologie studiert hatte, hernach aber wegen eines illegalen Beitrags zur Bevölkerung, der durch seines Vaters Magd zum Vorschein gekommen war, die Hoffnung verlor, ein geistliches Amt zu begleiten. Er hatte die Mädchenschule in Gießen angenommen, war dabei Leichenbitter, Kantor in der Zuchthauskirche und Klingelbeutelträger in der Stadtkirche. Dieser Euler, oder nach dem Ekelnamen, den ihm die Studenten gegeben hatten, 

Eulerkapper, war ein lächerlicher Mensch: seine Minen, sein Anzug, sein Gang, kurz, alles war war so auffallend beschaffen, dass ihn niemand ansehen konnte, ohne überhaupt zu lachen. Er war eben darum der allgemeine Gegenstand für die Neckereien der Gießer Studenten Studenten: und diese Neckereien nannte man – Eulerkappereien. 

Neben Eulerkappern wohnte ein Student, welcher aus seinem Kammerfenster gerade in dessen Putzstube sehen konnte. Der Student nahm einmal den Zeitpunkt in Acht, als das Fenster dieser Putzstube offen stand, befestigte seinen Kammertopf an eine Stange, langte dieselbe hinüber und leerte den Topf – es war Unrat von verschiedener Gattung darin – in der Putzstube aus. Euler musste das Ding bald erfahren, musste auf den Urheber schließen und nun war es ganz natürlich, dass er ihn beim Rector verklagte.

Übermut tut selten gut

Der Student lehnte die Beschuldigung von sich ab durch Vorgeben, dass manche Bursche in seiner Abwesenheit, auf seine Stufe zu gehen pflegten und da könnte es immer sein, dass sie den Mutwillen verübt hätten. Er für seine seine Person wäre von dergleichen schmutzigen Affären weit entfernt. – Auf diese Art kann Herr Schacht ohne Strafe davon und der Rector lachte bloß über den Einfall, einen Kammertopf in ein fremdes Visitenzimmer auszuleeren.

Den folgenden Sonntag versammelte Herr Schacht eine große Menge Studenten auf seine Stube. Kaum war Euler mit Frau und Tochter zur Kirche, so wurde sein Fenster mit einer Stange eingestoßen und auf die vorhin beschriebene Art eine Menge Ladungen in die Putzstube transportiert. Euler erfuhr schon auf dem Rückweg nach Hause, was vorgefallen war. Er klagte, und nun haltendem guten Schacht seine Ausflüchte nicht: er musste vier Tage ins Karzer, musste Eulern das Fenster einschieben lassen und dreißig Gulden zur Reinigung der Putzstube hergeben. 

Fortsetzung unter Eulerkappereien, Eintrag vom 3. September

Categories: Studentenleben

Post a Comment

Oops!

Oops, you forgot something.

Oops!

The words you entered did not match the given text. Please try again.

1 Comment

Reply uk replica rolex watches
5:58 PM on March 30, 2019 
I like too Hawaii and my dream that i visit this amazing place.