Mein Blog

Blog

# Frühling 1784 Halle: Sturm und Sonnenschein – Vater und Sohn – Soldat und Magister

Posted on April 11, 2014 at 6:40 PM Comments comments (0)
Mein Vater lag mir, wie billig, gleich vom Anfang meiner neuen Lebensart stark im Sinne. Was wird der ehrliche Alte empfinden und sagen, wenn er erfährt, dass nun alles an dir auf einmal ohne Hoffnung verloren ist? Dieser Gedanke fuhr mir immer durch Kopf und Herz und vergällte mir jeden Augenblick.

Um diese Qual loszuwerden, bat ich den D. Semler schriftlich – denn persönlich wollte ich den ehrwürdigen Mann in meiner Soldatenuniform noch nicht angehen –. er möchte suchen, meinem Vater meinen Schritt zum Soldatenstande auf die glimpflichste Art beizubringen. Der gute Mann antwortete mir, das sei schon geschehen. Er hoffe, mein Vater würde mich mehr bedauern als über mich zürnen. Der Hauptmann hatte auch schon geschrieben. Allein lange erschien keine Antwort.

Endlich kam ein Brief von meinem Vater an den Herrn von Müffling in sehr gemäßigtem und gesetzten Ton. Er kenne, so schrieb er, das menschliche Herz und mein Schritt käme ihm, da er meine Sitten, meine Denkungsart und meinen Leichtsinn auch kenne, gar nicht fremde vor. Er vergebe mir von Herzen meine Verirrungen, sogar den letzen, desperaten Schritt, so sehr er ihn sonst schmerzte. "Ich wünsche", fuhr er fort, "einen recht langen Brief von meinem Sohn zu lesen und bitte Ew. Wohlgeboren, ihn denselben in Ihrer Gegenwart oder in Gegenwart eines anderen braven Mannes schreiben zu lassen, damit er gerade so schreibe, wie es ihm ums Herz ist, ohne lange herumsinnen und künsteln zu können. Ich möchte gern aus diesem Briefe sehen, wie er jetzt so denkt." – Ich schrieb diesem gemäß in der Stube des Herrn v. Müffling an meinen Vater und dieser Brief besänftigte ihn so, dass alle seine folgenden Briefe an mich, an den Hauptmann und an den D. Semler auch nicht die geringste Spur von Vorwürfen oder Unwillen enthielten.

Die erste Exerzierzeit* ist mir, wie jedem Soldaten, beschwerlich gefallen. Allein ich überstand sie und die folgenden Exerzierzeiten sind mir immer leichter geworden. Es fiel mir oft der Gedanke dabei ein, ob die Verdammten in der Hölle, welche doch nach der erbaulichen Lehre der orthodoxen Buchstabenkirche ewig gepeinigt werden sollen, nicht endlich allen Sinn für Qual und Angst und Not verlieren und alle Feuer und Schwefelpfühle, alle Haken des Satans und dergleichen nicht endlich für Kleinigkeiten halten werden. Die Gewohnheit vermag doch gewaltig viel!

Ich hatte einige Studenten im Lateinischen und Französischen. Meine ersten Scholaren waren Herr Salpius aus der Mark, Herr Böhm, jetzt Doktor der Medizin in Berlin und Herr Gassel aus Westfalen. Wenn einige, welche zu unterrichten ich die Ehre gehabt habe, ihre Namen in meinem Buche nicht finden, so können sie versichert sein, dass dies nicht daher rühre, weil ich sie vergessen hätte oder es für zu gering hielte, sie zu nennen – ich verehre vielmehr jeden, der zugleich mein Freund war und das sehr aufrichtig –, sondern weil ich befürchte, manchem Leser Langeweile zu machen, wenn ich da ein großes Namensregister anführen wollte, wobei ich doch weiter nichts zu sagen hätte als: dem gab ich Stunden im Lateinischen, Italienischen, Französischen, mit dem las ich den Livius, diesen lehrte ich dies, jenen jenes.

*Die Exerzierzeit ist die Zeit, wo das vorläufige Regiment wöchentlich fünfmal auf dem Felde exerziert wird. Unter Friedrich II. Regierung dauerte sie gewöhnlich zwei Monate. Der jetzige König hat sie abgekürzt...

# Sonntag, 29. Dezember 1783 Halle: ...und so war mein Herr Soldat fertig.

Posted on December 28, 2013 at 6:27 PM Comments comments (0)
Sonntags früh wurde ich zum Fürsten geführt. Er bewies mir in Form rechtens, dass ich mich wirklich hätte anwerben lassen und folglich Soldat bleiben müsste. Er sprach mir noch allerhand Trost zu, der aber bei mir nicht anschlug. Zutzel hatte mir den Herrn Fürsten schon den Tag vorher näher beschrieben. 
 
Man legte mir ohne weitere Komplimente den Soldateneid vor und ich Schwur ihn. Und so war mein Herr Soldat fertig. 

Mein Handgeld wollte mir der Hauptmann zwar übergeben, doch stellte er mir vor, dass ich besser täte, wenn ich’s in seinen Händen ließe. Ich würde sonst drum geprellt werden.

# 26. Dezember 1783 Halle: Der Herr Magister wird endlich gar – Soldat

Posted on December 26, 2013 at 8:51 AM Comments comments (0)
Früh erinnerte ich den Cheminon an sein Versprechen. Er war willig dazu, sagte mir, sein Hauptmann käme diesen Tag auf die Wache, da könnte ich ihn auf der Hauptwache sprechen. Das war mir denn recht. 

Nachdem also die Wache aufgezogen war, ging ich mit Cheminon zum Hauptmann, dessen offenes Wesen mir gleich gefiel. Er war sehr gefällig und wir redeten von allerlei, doch aber kam das Gespräch immer wieder auf mein Soldatwerden. 

Herr von Müffling hatte einen Band von der deutschen Übersetzung des Polybios vor sich, worin er lesen wollte. Ich hatte auch viel von Polybios gelesen und war mit der Historie dieses Schriftstellers bekannt. Daher räsonierten wir lange über die Kriegskunst der Alten, von welcher wir aber beide wenig verstanden. Der Leutnant von Drygalsky war die dritte Person. 

Der Herr Magister wird endlich gar – Soldat

Endlich kamen wir unserem Zwecke näher. Wir kamen auf gewisse Punkte, welche mir Herr von Mufflig zu erfüllen versprach, einige davon sind freilich gehalten worden, aber…. Doch ich enthalte mich aller Anmerkungen, die sich mir hier aufdringen wollen. Vielleicht teile ich dergleichen einmal in meinem Alter, wenn nämlich das gute oder schlechte Schicksal mich alt werden lässt, der Welt mit unter der Aufschrift: „Bemerkungen eines alten Soldaten über das Soldatenwesen überhaupt und über das preußische insbesondere“. Ein Musketier sieht oft mehr und richtiger als mancher Herr Offizier samt seinem König. Diesen fehlt es an geschärftem Gefühl dazu. 

Herr von Müffling bot mir acht Louisdor Handgeld und drang in mich, dass ich jetzt gleich entweder ja sagen oder alles abbrechen sollte. Und ich sagte ja. 

So war ich angeworben. Nun ließ der Hauptmann einschenken, was das Zeug hielt und da ich die Schnurre noch von der vorigen Nacht im Kopfe hatte, so war es natürlich, dass ich derb besoffen ward.  

Ich ging nach der großen Wachtstube, machte mit allen Soldaten, die da waren, Brüderschaft und war nun seelenfroh, dass ich Soldat war. 

Die Nacht über schlief ich in der großen Wachtstube und zwar auf der Pritsche, obgleich Herr von Müffling mir in der Offiziersstube ein Bette hatte bereiten lassen

# 25. Dezember 1783 Halle: Endlich Ruhe...? – ein Entschluss macht froh, "so froh, als ich seit einem Vierteljahre nicht gewesen war"

Posted on December 25, 2013 at 1:48 PM Comments comments (0)
Früh war ich noch in Kleidern. Ich las in Tassos »Gerusalemme liberata« und las die äußerst rührende Stelle, wo Tancred sein Mädchen ermordet. Diese Stelle hatte mich mehrmals innigst gerührt, aber damals musste ich überlaut dabei lachen. 

Morgens um 6 Uhr...
Ich ließ mich frisieren und lief sodann spornstreichs zur Christmette um sechs Uhr. Aus der Christmette lief ich, ohne zu wissen, wohin, zum Tor hinaus, zu dem Wirt in den »Pulverweiden«. Ich forderte Breuhahn, und die guten Leute wunderten sich, dass ich schon so früh Breuhahn trinken wollte. Hier saß ich nun fast drei Stunden, ehe ich recht zu mir kam, und untersuchte meine Empfindungen. 

Die gestrige Lustigkeit der Knoten und der Soldaten kam mir zuerst wieder in den Sinn, und da hob sich denn der Gedanke aus dem Gefühl der verwirrten Vorstellungen heraus, es wäre doch hübsch für dich, wenn du Soldat würdest! Dieser Gedanke schüttelte mich anfänglich freilich gewaltig zusammen, kam aber immer wieder und wieder, und ich ward endlich mit ihm vertrauter. 

Das war alles noch bloße Vorstellung, aber von nun an kam auch Überlegung dazu.  – Und endlich findest du ohne Zweifel Mittel und Wege, dir ein ruhigeres Leben zu verschaffen. Ruhe, von welcher Art sie sei, welchen Aufwand sie auch kosten möchte, Ruhe schien mir damals bei der gewaltig anhaltenden Unruhe, worin ich schwebte, das höchste Gut auf Erden zu sein.

Aber wo denn willst du Soldat werden? – Diese Frage löste sich bald auf. In Halle und an keinem andern Orte! In Halle bist du gekränkt, in Halle musst du gerächt werden! – So kindisch rachsüchtig dachte ich damals in der Verwirrung!

...bis nachmittags um 3...
In diesen Gedanken saß ich bis nachmittags um drei Uhr bei meinem Philosophen (So nannten wir damals den Wirt in den Pulverweiden), der immer mit mir reden wollte, aber wenig Worte von mir herauszerren konnte. Ich war zu sehr weg und bloß mit dem Gedanken, Soldat zu werden, beschäftigt.

Gegen Abend...
Ich kam gegen Abend in die Stadt zurück, ging in die "Knochenkammer", nicht um zu trinken, sondern um frohe Leute aus der Klasse zu sehen, zu welcher ich von nun an gehören wollte. Ich sprach mit einigen, fragte sie, wie es ihnen ginge und erhielt natürlich lauter befriedigende Antworten. Diese machte meinen Entschluss immer fester. Nun war die Frage, an wen ich mich wenden sollte. Allein dazu, dacht' ich, sollte gleich früh Rat werden. Also verließ ich diesen Ort des lärmenden Vergnügens froh, so froh, als ich seit einem Vierteljahre nicht gewesen war.

...Besuch im Klub
Zum Überfluss besuchte ich noch einen Klub bei Busch auf dem Ratskeller, wozu ich schon gehört hatte und der sich sehr oft, allemal aber sonntags und freitags, regelmäßig versammelte. Die Leute waren alle froh, mich wiederzusehen, da sie mich schon seit so langer Zeit nicht mehr gesehen hatten. Ich war über alle Gewohnheit lustig und dies kam dem Ex-Schuhmeister Michaelis, welcher eben auch zu diesem Klub gehörte, so befremdend vor, dass er nach seiner Art Anmerkungen darüber machte. 

Man stutzte aber nicht wenig, als als ich meinen Entschluss, Soldat zu werden, deutlich genug zu verstehen gab. Wir waren indes im Preußischen und so widersprach keiner. – So weicht der Mensch dem Bürger, der Ernährer dem Zuchtmeister!

...dann zu Cheminon...
Vom Ratskeller ging ich in das Haus, worin sonst mein Bruder gewohnt hatte und welches der Hanauer Puff hieß. Hier wohnte die Cheminonin mit ihrem Manne, einem Soldaten von des damaligen Hauptmann von Müfflings Kompanie. 

Ich kannte diesen Cheminon und beschloss, ihm meine Absicht zu entdecken. Nachdem ich mehrere Gläser Schnaps – alles aus betäubender Lustigkeit – eingestürzt hatte, nahm ich ihn auf die Seite und bat ihn, doch ja dafür zu sorgen, dass ich ganz früh einen Hauptmann sprechen könnte, gleichviel welchen.

Cheminon machte große Augen, als er von mir vernahm, dass ich Soldat werden wollte. Er wollte anfangs nicht einmal glauben und dachte, ich hätte ihn zum besten. Allein ich beteuerte ihm hoch und teuer, das sei mein Ernst und so glaubte er's. Nun lobte er er mir, wie natürlich, seinen eignen Hauptmann, den Herrn von Müffling und versprach mir, mich gleich am folgenden Morgen früh zu begleiten.

Ich blieb daher diese Nacht über in Chiminons Wohnung und soff mich voll in lauter Fuselbranntewein, welchen Madam Chimenon damals für Likör ausschenkte. Ich glaube, dass ich vergessen habe zu sagen, dass der berüchtigte Hanauer Puff weiter nichts war als eine Schnapskneipe. Madam Cheminon wusste aber auch zu leben und sorgte immer für artige Jungfern*. Das sahen einige Studenten gern, fanden sich fleißig ein und tranken den elenden Fusel für Likör.

*Jungfer heißt nach hallischem Sprachgebrauch eine Bürgertochter, die keinen Mann hat. Kinder mag sie gehabt haben, das schadet nichts. 
Mamsell wird jedes mit frisiertem Kopf einhertretende Frauenzimmer ohne Mann genannt. Doch fängt gegenwärtig der Name Mamsell auch schon an, unfrisierten Haubenstöcken gegeben zu werden, daher Mamsell Minchen, Röschen, Nanettchen.




# 24. Dezember 1783 Halle: "Du bist ein Mensch. Alle Menschen sind Schurken. Also auch du! Hast du meinen Schluss verstanden. Geh'!" – Köster verfolgte mich, so sehr ich mich bemühte auszureißen. Endlich fuhr ich in ein Loch, worin ic

Posted on December 25, 2013 at 1:41 PM Comments comments (0)
Ich überlegte in dieser Not, wie es wohl werden würde, wenn ich mich anderswohin begäbe? Allein wohin? Ich traute den Menschen einmal nicht mehr, weil ich Vater und Bruder nicht mehr traute; und wie sollte ich fortkommen? Ich hatte weder Wäsche noch ganze Stiefeln, und im Winter, der es war, mußte ich befürchten, unterwegs umzukommen! Der bestimmte Posttag kam heran, aber leider wieder kein Brief! Man versetze sich in meine Lage und bemesse danach den Drang und Sturm meiner Empfindungen. 

Abends durchlief ich alle Gassen, gleichsam außer mir, es war der heilige Abend vor Weihnachten. Köster begegnete mir und fragte, wie mir's ginge. Ich stieß ihn zurück ohne zu antworten und rannte weiter. Köster mir nach und bat mich um um Gottes Willen, ihm meine Not oder den Grund meines Unwillens zu entdecken. Ich schwieg hartnäckig. Er wiederholte seine Frage mehrmals, warum ich ihm nicht antworten wollte. 

"Weil du ein Schurke bist", erwiderte ich endlich.

Köster: Um Himmels Willen, Bruder, sag', was ist dir. So spricht mein Laukhard nicht! So spricht ein böser Genius in dir.

Ich: Du bist ein Mensch. Alle Menschen sind Schurken. Also auch du! Hast du meinen Schluss verstanden. Geh'!

Köster: Ich lasse dich nicht gehn! Bruder, sag', wo du hin willst. Ich gehe mit und wenn du zum Teufel gingst. Ich lasse dich so nicht gehn!

Köster verfolgte mich, so sehr ich mich bemühte auszureißen. Endlich fuhr ich in ein Loch, worin ich noch niemals war. Köster fuhr mir nach. Es saßen Gnoten, Soldaten und Menscher drin. Die Leute waren gewaltig lustig, tanzten, hüpften, spielten, taten schön und zeigten auch keine Spur von Gram oder Unmut. Oh wie beneidete ich diese Gnoten und diese Soldaten! – Soldaten, und vergnügt? – Und du Magister, und so elend? – Soldaten? – Dieser Gedanke umfasste meine ganze Seele, hallte anhaltend wider und vertiefte sich immer mehr in mich. – Köster forderte Branntewein, setzte sich, fing an lateinisch zu sprechen und drang jetzt dringender in mich, um die Ursache meines Kummers mir zu entlocken. Aber ich war stumm. Es schwärmten dunkle Bilder in mir herum von dem, was ich tun wollte. So sehr auch Köster zudrang, so sehr verhärtete ich mich. Endlich sagte er:

"Hör, Bruder, ich habe noch deine particulas graecas. Vergib, dass ich sie noch habe."
– "Es hat nichts zu sagen", erwiderte ich. "Wenn du jemanden weißt, der sie kaufen will, so gib sie hin und stelle mir das geld zu. Weißt du aber keinen, so schick' sie mir morgen früh." Köster fragte, ob ich sie ihm für den Pränumerationspreis, ein Taler vierzehn Groschen, ablassen wpllte. Ich hatte nichts dawider und Köster lief den Augenblick nach Hause, um mir das Geld zu holen. Vielleicht war er auf den Gedanken gekommen, dass die höchste Geldnot der Grund meines Kummers sei. Er kam wieder und wir verließen das liderliche Loch.

Ich lief noch einigemal durch die Straßen, ging auch noch zum Kaufmann Mörschke und kam gegen elf Uhr – aber ohne Trunkenheit – nach Hause. Vor lauter Ärger warf ich mein Bett auf den Fußboden und legte mich darauf. Aber meine Unruhe war zu groß, ich konnte nirgends bleiben, wusste auch nicht, wo ich war und was ich tat. Das war ein schrecklicher Zustand. Lachen konnte ich überlaut; alles, woran ich dachte, kam mir sehr lächerlich vor. Aber für den traurigsten Gedanken hatt' ich keine Empfindung. 

# 6. Dezember 1783 Halle: ...verzweifelte Lage

Posted on December 6, 2013 at 5:34 PM Comments comments (3)
Meine beiden Disputationen, der Verlust des Honorars für meinen „Baldrian“, die Geldausgaben, um mich durch Zerstreuungen von dem Ärger über dies und jenes zu erholen, nebst meiner Gutmütigkeit, einem jeden gern mitzuteilen, was ich hatte – das alles hatte mir Schulden zugezogen, zu deren Tilgung mein Wechsel mich nicht erreichte.
Dass ich mit meinen Kollegien wenig werde verdient haben, versteht sich für mich als Anfänger schon von selbst. Einmal ist in Halle das Freirennen der Kollegien gar sehr gewöhnlich. Da denken viele Studierende, das Geld könne in Lauchstädt, Leipzig, auf den Dörfern und beim Spiel besser angewandt werden als zum Honorare für die Dozenten. Zudem war ich von jeher nachgiebig und wenn mich jemand um etwas bat, dem konnte ich nichts abschlagen. 

Und so hatte ich von dreißig Zuhörern kaum zehne, die bezahlen wollten und unter diesen zehnen waren noch einige, die es hernach ganz und gar vergaßen. Ich glaube aber doch, wenn ich weiterhin bei der Universität geblieben wäre, dass ich in Zukunft bessere Einkünfte von Kollegien würde gehabt haben, weil ich mehr in Routine gekommen wäre und ohne Zweifel auch einige Künste gelernt hätte, wie man gutzahlende Zuhörer in sein Auditorium hineinlockt. 

Indessen setzte ich meine Vorlesungen fleißig fort. Da es mir aber an Holz fehlte, das Auditorium zu heizen, so verloren sich meine Zuhörer nach und nach. Die Studenten hatten sich zwar zum Holzgelde unterschrieben, allein nur wenige zahlten. Und das Busserl Holz, welches für für das wenige Geld angeschafft werden konnte, war gar bald verbrannt, zumal da ich das Einheizen durch Leute musste geschehen lassen, welche mich derb prellten. 

Was Wunder, wenn nun der eine Student, wie ich es selbst gehört habe, zum andern sagte: „Gern ging ich in Laukhards Reichshistorie, er gefällt mir besser als der…., aber es ist zu kalt in seinem Kollegium, man möchte das Fieber kriegen“, und der andre dann replizierte: „Es ist schade, dass der Mann so in Not ist; hätt ich Geld, ich kaufte ihm Holz.“ Wie gesagt, ich hörte dies von ohngefähr und hörte hinterdreinn noch eine weitläufige Beschreibung meiner fatalen Lage, welche durchaus wahr, aber desto schmerzhafter für mich war. 

Ich rannte nach Haus, als ich dies gehört hatte. Es war ohngefähr den 6. Dezember 1783 und schrieb einen äußerst heftigen Brief an meinen Vater, dem ich einen an meinen Bruder beischloss.