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#29. September 1792 bei Valmy: Gefährliche Lage – Diplomatischer Erfolg – Anfang vom Ende

Posted on September 28, 2013 at 6:19 PM Comments comments (1)
Der General von Manstein, ein kluger, erfahrener Mann, fühlte schon im voraus die traurigen Folgen auf jede glimpfliche Art zu besänftigen, allein Dumoriez blieb unerbittlich, bis endlich der Herr Graf von Kalckreuth nach seiner ihm ganz eignen Klugheit durch seine überzeugende und gewandte Beredsamkeit bei Dumouriez und den übrigen fränkischen Heerführern so viel bewirkte, dass man Preußen – abziehen ließ. 

Es stand wahrlich bei den französischen Generalen, ob sie die Preußen abziehen lassen oder ob sie dieselben gefangen nehmen wollten. Warum sie das letzte nicht taten oder wenigstens den Rückzug nicht noch mehr erschwerten, ist mir ein Rätsel, welches aber zu seiner Zeit vielleicht noch gelöst werden dürfte. Herr Graf von Kalckreuth könnte den besten Schlüssel dazu hergeben. Niemals aber ist die preußische Armee und ihr guter König in größerer Gefahr gewesen als am 29. September 1792. 

Jämmerlicher Abzug aus Frankreich...
Am 29. September, also an eben dem Tage – man merke das Dringende! – , wo der Herr Graf von Kalckreuth mit Dumouriez Traktaten gemacht hatte, brach unsre Armee schon auf und rückte zurück, oder vielmehr sie änderte nur ihre Position rückwärts...

28. September 1792 Valmy Hans: unbegreiflich – Preußische Kriegserklärung

Posted on September 27, 2013 at 6:20 PM Comments comments (0)
Es ist ganz gewiss, dass der Herzog von Braunschweig notgedrungen den ersten Vorschlag um Waffenstillstand getan hat. Dumouriez nahm diesen Vorschlag aus Gefälligkeit gegen uns an und hatte, wie mich dünkt, hinlängliche Ursache dazu. Er konnte nämlich hoffen, dass der König von Preußen Friede mit den Franzosen machen würde und so hatte die Republik – denn Frankreich war damals schon eine – einen mächtigen Feind vom Halse. 
 
Friedensangebot
In dieser Absicht schickte er eine Erklärung ins preußische Lager, worin er mit den besten Gründen und starker männlicher Beredsamkeit die Vorteile darlegte, welche Preußen aus dem Frieden mit Frankreich ziehen konnte. Ob man aber Dumouriez’ Gründe für gültig ansah oder nicht, kann ich nicht sagen, genug, der Herzog schickte, ohne auf des französischen Generals Vorstellungen zu achten, demselben am 28. September abermals ein Manifest, welches zwar den gebieterischen Ton des Koblenzer Aufsatzes (in französisch) nicht führte, doch aber noch immer die Herstellung Ludwigs XVI. und des erblichen Königtums erwähnte. 

Und diesem Manifeste, welches zu gar nichts nützen konnte, ist denn auch der tragische Rückzug der Deutschen, der Einfall des Cousine in die diesseitigen Rheinländer und das daraus entstandene Elend so vieler Tausender von Menschen anzurechnen! 

Antwort: Kriegserklärung
– Ein weiteres Manifest dem Herzog von Braunschweig untergeschoben?
Es ist unbegreiflich, wie ein Fürst, ein so hellsehender Fürst, als der Herzog von Braunschweig ist, es übersah, dass er mit einem Feinde zu tun hatte, den er mit Gewalt nicht mehr zwingen konnte und dass er trotz unsrer jämmerlichen Lage es dennoch wagte, diesem Feinde eine abermalige Kriegserklärung zuzuschicken. Ich mag diesen Punkt, dessen Resultate von selbst in die Augen fallen, nicht weiter verfolgen, glaube aber immer, dass dieses Manifest dem weisen Fürsten neuerdings extorquiert ist.

Große Gefahr
Dumouriez nahm das Manifest auf, wie ermusste. Er erklärte in einem Brief an den General von Manstein, dass nun aller Waffenstillstand aufgehoben sei und dass die Feindlichkeiten ihren Anfang wieder nehmen müssten. 

#27. September 1792 Valmy Hans: Geld statt Brot kommt niemals an – Waffenstillstand verschlimmert die Lage – Wilde Männer mit verrosteten Flinten

Posted on September 26, 2013 at 6:07 PM Comments comments (3)
Als am 27. endlich das Brot ankam – der 25. und 26. war ausgefallen –, so befahl der König, dass die Kompanien dereinst, aber doch bald, die ausgefallenen Brottage den Soldaten bezahlen sollten, oder vielmehr er versprach, sie selbst zu bezahlen.
Aber diese Zahlung blieb aus! Ohne Zweifel hat der gutmütige Monarch, der das Elend seiner Soldaten, welche über 59 Stunden ohne alle Speise sein mussten, wohl selbst fühlte, diesen armen Leuten einen kleinen Ersatz an Geld für diesen Hunger bestimmt. Aber wo das Geld blieb, ist eine andere Frage. Ohne Mühe sieht man ein, dass ein solcher Betrug von der Art unter allen Schurkereien die allerschändlichste, obgleich nicht die ungewöhnlichste ist. 

Das Wetter war die ganze Zeit über, die wir bei Hans im Lager standen, abscheulich: es regnete ohne Unterlass und dabei war es sehr kalt. Alle Tage musste frisches Stroh oder vielmehr ungedroschener Weizen aus den Dörfern geholt werden, wodurch denn alle Dörfer im Umkreise weit und breit leer wurde. Das Wasser lief immer in die Zelte und machte das Lagerstroh zu Mist – also frisches! 

Sollte nach Wasser oder Holz gegangen oder das elende Komissfleisch gekocht werden, so zankte man sich erst eine halbe Stunde in den Zelten herum, wer gehen sollte, an wem die Reihe wäre. Denn das Wasser sowohl als das Holz musste eine gute halbe Stunde vom Lager gelangt werden und bis dorthin musste man bis an die Knie im Kote kneten.  

Waffenstillstand macht alles noch schlimmer… 
Feuer zum Kochen war sehr schwer anzumachen, weil man, nach geschlossnem Waffenstillstande, kein dürres Holz aus den Dörfern mehr nehmen durfte, folglich mit grünen Weiden- und Pappelholz sich behelfen musste. Dieser Umstand machte, dass, als das Brot ankam, die Burschen in zwei Tagen gar kein Kochfeuer machen wollten. 

Wilde Männer mit verrosteten Flinten 
Bei Hans hätte man die Herren Preußen, die sonst so geputzten Preußen, Offiziere und Soldaten, schauen sollen! Die weißen Westen und Hosen waren über und über voll Schmutz und noch obendrein vom Rauche gelb und rußig, die Gamaschen starrten von Kot, die Schuhe waren größtenteils zerfetzt, so dass manche sie mit Weiden zusammenbinden mussten. Die Röcke zeigten allerlei Farben von  weißen, gelben und rotem Lehm, die Hüte hatten keine Form mehr und hingen herab wie die Nachtmützen, endlich die grässlichen Bärte – denn wer dachte da ans Rasieren! – gaben den Burschen das leidige Ansehen wilder Männer. Die Gewehre waren voll Rost und würden gewiss versagt haben, wenn man hätte schießen wollen.

#Ende September 1792 Valmy Hans: Frisches Obst für den König

Posted on September 25, 2013 at 7:18 PM Comments comments (2)
Selbst im königlichen Hauptquartier zu Hans war Mangel über Mangel: auch da war kein Brot und an Leckerspeisen war vollends gar nicht zu denken. Dieser Mangel  ward indes dem französischen Generale bekannt, welcher dann frisches Obst und andre Dinge ins Hauptquartier schickte, um wenigstens den König von Preußen, seinen Feind, und dessen hohe Generalität vor Hunger zu sichern. 

Dieser Zug von Edelmut vermehrte bei unsern Soldaten die gute Idee, welche sie seit der Kanonade von den Franzosen schon hatten. Von nun an hörte man auch allgemein auf, sie Spitzbuben, Racker, dumme Jungen und dergleichen zu schelten.

#Ende September 1792 Valmy Hans: Camouflage? – Kreide fressen?

Posted on September 24, 2013 at 6:13 PM Comments comments (2)
Am allerlächerlichsten war der Parolebefehl wegen der Kreide. In Champagne gibt es es ihrer viel und nachdem man auf einem Hügel recht schöne entdeckt hatte, mussten die Leute hin, sie auszugraben. Und nun wurde befohlen, dass man diese Kreide unter den Soldaten verteilen sollte mit dem Zusatz: 

Seine Majestät schenke diese Kreide den Soldaten! In Champagne. Dort bei Hans, war freilich der Ort, wo man Hosen und Westen weißen sollte! Ja, wenn nur der Herr Jesus da gewesen wäre und aus Kreide hätte Brot machen wollen. 


#Ende Speptemer 1792 Valmy Hans: Ein unausfürbarer Befehl

Posted on September 23, 2013 at 7:36 PM Comments comments (1)
Es wurde bei der Parole – man denke doch an die Fürsorge! – befohlen, Weizen zu dreschen, ihn bis zum Zerplatzen zu sieden, mit Butter und Speck zu schmälzen und dann zu essen. Das war nun so ein Stück von Parolebefehl, deren es in der Art mehrere gab – ein unausführbarer Befehl! 

Weizen ist zwar noch in den Dörfern, aber wo sollte man den dreschen? Der Kot war knietief, und da drischt es sich gar übel! Und woher sollte man Speck, Butter und Salz nehmen, welches alles in der ganzen Armee nicht zu haben war? Kein Marketender war da, sogar der Jude war in Grandpré zurückgeblieben – wer also sollte das Nötige zum Schmälzen besorgen? 

Einige sotten jedoch Weizenkörner und aßen sie ohne Salz und Schmalz vor lauter Hunger hinein. Optimum ciborum condimentum fames! 

Es gab zwar dort herum auf einigen Äckern noch Kartoffeln, welche man auch holte und kochte. Aber leider war dieses eine gar zu geringe Hilfe. Die Äcker waren gar bald leer und zudem waren die Kartoffeln von der Art derer, die man in Deutschland dem Vieh gibt. Sie vermehrten auch noch die damals alles zerstörende Ruhr. 

Man hatte auch von allen Orten her so viel Vieh zusammengetrieben, als man konnte und da erhielt denn freilich der Soldat auch Fleisch, aber mageres, elendes statt des Brots. Und Brot muss der Soldat haben, wenn er nicht hungern oder an Nebenspeisen nicht erkranken soll.

#23. September 1792 bei Valmy: Verlagerung – Plünderungen – trotzdem Hunger

Posted on September 22, 2013 at 5:14 PM Comments comments (1)
Am dritten Tag nach der Kanonade änderten wir die Stellung unseres Lagers.

Als der Brottag wieder kam, war kein Brot da. Man gab vor, die Wagen könnten nicht vorwärts wegen des entsetzlichen Kotes und da wir den Weg, welchen die Wagen von Grandpré kommen mussten, sehr wohl kannten, so beruhigten sich die Leute.

Die wahre Ursache war aber, dass die Franzosen viele Wagen weggenommen hatten und die andern sich nun nicht getrauten vorwärts zu fahren und also liegen blieben. Man hatte zwar in den umliegenden Dörfern alles ausgeplündert und daselbst allerlei Esswaren noch vorgefunden, allein das war doch für eine solche Menge wie nichts. Wenige hatten etwas erhascht und die meisten hatten gar nichts.

#22. September 1792 Valmy: "Menschen sind doch keine Fürsten-Nieten"

Posted on September 21, 2013 at 7:00 PM Comments comments (2)
Lutze versorgte unser Zelt am andern Tage mit guten Viktalien, und so waren wir in unserm Zelte, während die meisten andern weiter nichts hatten als ihr bissel Komissbrot, auf einige Tage geborgen. Ich muss es nochmals wiederholen, dass ich dem braven Lutze manche Sättigung verdankte, wo die übrigen, sogar die Offiziere, hungern mussten.

Unser Verlust an Toten und Blessierten belief sich auf 166 Mann, freilich ein ganz geringer Verlust bei einer vierstündigen Kanonade, aber allemal groß genug bei einer Kanonade, welche nach dem Zeugnis aller verständigen Kriegsmänner ganz ohne alle Hoffnung eines Sieges oder reellen Vorteils unternommen war.

Die Verwundeten wurden auf ein Vorwerk gebracht, wo sie wegen der elenden Pflege schon meistens in der ersten Nacht unter den heftigsten Qualen hinstarben. Gar wenige von allen bei La Lune verwundeten Soldaten sind mit dem Leben und kein einziger ist mit geraden Gliedern davongekommen. Das ist freilich schrecklich, aber daran war auch meistens unsere medizinische Anstalt schuld, welche bei keiner Armee elender sein kann, als sie damals bei unsrer war.

Das machte aber, weil man steif und fest geglaubt hatte, die Franzosen würden uns keinen Finger entzweischießen. Man hatte sich aber verrechnet und das garstig!

Warum kein Sieg
Warum wir bei dieser Kanonade keinen Vorteil erhielten, ist handgreiflich. Der Feind hatte mehr Volk, mehr und besseres Geschütz und eine weit bessere Stellung als wir, besonders machte eine Batterie an einer Windmühle, wenn diese gleich von unsrem Geschütz und aufliegenden Pulverkarren zusammengeschmissen wurde, es völlig unmöglich, den Feind mit Infantrie anzugreifen.

Unsere Leute waren ja meistens schon krank, alle waren ermattet und bis auf die Haut durchnässt. Der größte Teil hatte seit dem Mittage des vorigen Tages nichts gegessen. Weit über die Hälfte – denn aus dem Siebenjährigen Kriege zählen wir nicht viel brauchbare Soldaten mehr – trat hier zum ersten Male vor feindliche Kanonen: ist es nun überhaupt glaublich, dass solche Leute unter solchen Umständen sich des nahen Feindes freuen, mit frohem Mute gegen ihn avancieren und über ein kommandiertes Halt Murren werden? Das wird sich schwerlich jemand einbilden, der da weiß, welchen Eindruck neue und große Gefahren auf ungewohnte und sonst schon leidende Gemüter machen.

Vernünftige Tapferkeit ist keine Schande
Und wer könnte Offiziere und andere tadeln, die nach dem Gesetze der Sparsamkeit, Klugheit und wahren vernünftigen Tapferkeit, wie auch nach dem natürlichen Selbsterhaltungstriebe ausweichbaren Gefahren ausweichen, um sich – den Ihrigen und dem Staate, der doch die Menschen zum Soldatwerden und was zu deren Unterhalt und Bewaffnung gehört, hergeben muss – zu erhalten? 

Dies zu tun, denk ich, ist Pflicht. Und es getan zu haben, könnte über preußische Truppen nur dann ewige Schande bringen, wenn Ehre der Preußen es mit sich brächte, nicht nach weiser, zweckmäßiger Tapferkeit, sondern nach unweiser Tollkühnheit jeder, auch ausweichbaren, Gefahr sich preiszugeben. Menschen sind doch keine Fürsten-Nieten!


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