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# 8. Oktober 1792 Conconvoix: Plündern im eigentlich nicht mehr Feindesland – Beim Plündern menschlich sein?

Posted on October 8, 2013 at 7:23 AM Comments comments (0)
Den 8. Oktober musste der Befehl gegeben werden, die Dörfer in der Gegend auszuplündern. Viele unserer Leute glaubten, das sei die Folge eines geringen Angriffs der Franzosen auf die Österreicher und meinten, dass man auf diese Art jenes Unrecht (man denke doch!) durch Plünderung der armen Bauern rächen wollte. Allein dieser Gedanke war falsch, denn bloß der große Mangel an Nahrung für Menschen und Vieh und besonders für das Hauptquartier nötigte den Herzog von Braunschweig, diesen sonst menschenfreundlich denkenden Fürsten, die Ausplünderung von etwa neun Dörfern zu befehlen, welche auch durch mehrere Bataillons Infanterie und Husaren ausgeführt wurde.

Beim Plündern menschlich sein?
Der Herzog hatte zwar befohlen, dass man strenge Manneszucht halten und beim Plündern niemand beleidigen sollte. Aber man bedenke, ob ein solcher Befehl wohl als zur rechten Zeit gegeben angesehen werden könne? Einem Soldaten welcher plündern soll, welcher in Feindes Landen zu sein glaubt, welcher seit zwei Monaten alles Elend ausgestanden hat und darum vor lauter Erbitterung grollsinnig einherschleicht, dem will man befehlen, beim Plündern menschlich sein? 

Vermeindliche Freude wüten fürchterlich
Aber die Herren waren es auch nicht im geringsten: die Pferde, Ochsen, Schweine, Hühner, Gänse, kurz alles, was man nur von Vieh finden konnte, sogar Hunde, trieb man zusammen. Dann nahm man aus den Dörfern, was nur noch zu nehmen war, besonders den ungedroschenen Weizen für die Pferde – und prügelte die Bauern und die Weiber, welche noch nicht entflohen waren gar jämmerlich. 

Es waren aber zu der Zeit wenige noch entflohen, weil sie glaubten, die Preußen und ihre Nation habe einen friedlichen Traktat abgeschlossen und erstere zögen jetzt als ihre Freunde zurück. Man hat für gewiss versichert, dass bei dieser Plünderung mehrere Bauern totgeschlagen oder totgehauen seien und ich mag dieses gar nicht in Zweifel ziehen: ich weiß, wie sehr unser Volk litt und wie sehr es eben darum gegen die Franzosen, die ein großer Teil noch immer als die Ursache alles ihres Unglücks ansah, aufgebracht war. 

Alle Furage, alles Gemüse usw. wurde am Hauptquartier zu Conconvoix in Empfang genommen. Darüber entstand ein gräuliches Murren, besonders unter den Husaren, welche nun nichts für ihre Pferde zu füttern hatten. Dieses Murren legte sich, als man versprach, sie am nächsten Tag wieder plündern zu lassen.

Seltsame Rückgabemethode… 
Es war wirklich sonderbar anzusehen, wenn ein Bauer, dem sein Pferd oder seine Ochsen, Kühe usw genommen waren, ins Lager kam und sich beschwerte. Man befahl ihm, das entwendete Stück Vieh aufzusuchen, führte ihn aber nicht dahin, wo er es hätte treffen können –  und traf er es ungefähr, so schwor gleich ein Husar oder sonst jemand Stein und Bein zusammen, dass sich der Bauer irrte. Und dann musste dieser abfahren, auch wohl – wenn er sich nicht gleich fügte – noch eine Tracht Hiebe mit nach Hause nehmen.

#21. September 1792 Valmy: großer Durst – kein Brot – brennende Pappeln – ein armes Dörfchen - nie ein erquickenderer Schlaf

Posted on September 21, 2013 at 4:56 PM Comments comments (1)
Gegen Tag sorgte der Himmel selbst für Wasser, denn es regnete gewaltig und die Gräben füllten sich. Da aber hätte man die durchnässten, hungrigen und schmutzigen Soldaten hinrennen und trinken oder vielmehr saufen sehen sollen!

Als es Tag wurde, verbreitete sich Angst und Schrecken in der ganzen Armee von neuem: jedermann vermutete, dass nun abermals ein neuer Angriff auf die Franzosen würde gemacht werden. 

Ich für meinen Teil glaubte das nicht und war in dieser Rücksicht ruhig, ob ich es gleich nicht für unmöglich hielt, dass der Feind uns angreifen könnte. Aber die Herren Franzosen postierten sich bloß vorteilhafter und verschanzten sich besser als den Tag vorher.

Jetzt lief, wer laufen konnte und wollte, in die Dörfer und holte Holz, d. i. Türen, Wagen, Fässer, Leitern, Bretter, Tische, Stühle – kurz, was man an Holzwerk finden und fortbringen konnte. Die Bäume, besonders die schönen Pappeln an den Wegen – denn Champagne hat nur wenig Obstbäume – wurden weit und breit niedergehauen, um durch hinlängliche Feuer einem zahlreichen Volke, das in Wind und Wetter unter freiem Himmel stand und noch immer einen Angriff befürchteten, hinlängliche Wärme zu verschaffen.

Dieser Tag war unser Brottag, aber wir hofften vergeblich auf Speise: unsre Brotwagen waren aus Furcht vor den Franzosen zurückgeblieben. Der Hunger quälte uns jedoch nicht so sehr, als die immer währende Furcht uns ängstigte, der Feind möchte uns angreifen.

Gegen Abend stießen die Österreicher zu uns und zündeten ein Dörfchen an, nachdem sie dasselbe erst völlig geplündert hatten. Das arme Dörfchen brannte bald ganz und gar nieder, weil der Wind unaufhörlich brauste.

Gegen sechs Uhr schlugen wir endlich die Zelte auf, erhielte Brot und ruhten nun von den großen Strapazen aus. Ich habe niemals erquickender geschlafen als diese Nacht.


#20. September 1792 Valmy: ...le jour de gloire...

Posted on September 21, 2013 at 3:18 PM Comments comments (2)
Auf dem Anmarsch gegen den Feind wurden erst die Gewehre geladen, welche vorher immer kugelleer geblieben waren und während dieses Ladens konnte man die Totenblässe auf mehreren Gesichtern nicht der Soldaten allein, sondern auch der Offiziere deutlich bemerken. Die Ängstlichkeit ging so weit, dass, wer Spielkarten bei sich hatte, sie wegwarf aus Furcht, der liebe Gott möchte nun ihn strafen wegen eines so gottlosen Gerätes als eine Spielkarte ist. 

Unsern König sah ich hier in Begleitung einiger Generale mitten unter den feindlichen Kugeln hinreiten und freute mich ebensosehr über das herrliche Beispiel, welches dieser mutvolle Monarch seinen Soldaten gab, als ich mich über folgendes äußerst dumme und abgeschmackte Gespräch zweier Unteroffiziere ärgerte. Ich will sie A und B nennen. 

A: Siehst du den Alten* dort? 

B: Seh’n wohl. Schau, wie die Kugeln ihm um den Kopf fliegen! 

A: Wenn er nur nicht getroffen wird! 

B: Narr, denkst du denn, dass er das könnte? 

A: Warum nichtß Wenn ihm eine Kugel an den Kopf fährt, ist er weg. 

B: Ah, warum nicht gar! Eine eiserne Kugel trifft den König nicht. 

A: Und wie das? 

B: Schau, Bruder, das will ich dir sagen. Ich bin ein alter Soldat und hab’ den Siebenjährigen Krieg mitgemacht, du kannst mir also glauben, dass Ichs verstehe. Ein gekröntes Haupt wird von keinem Blei oder Eisen getroffen – das fällt weg und wenn der König gerade unter der Batterie dort ritte! 

A: Aber es sind doch schon, wie man so hört, Könige vom Feinde erschossen worden. 

B: Jawohl, Bruder, aber das waren auch andere Kugeln, es waren Kugeln von Silber! Und siehst du, Bruder, wenn die Franzosen unseren Alten treffen wollen, so müssen sie silberne Kartätschen einladen und dann wird er bald weg sein. 

A: Wenn das so ist, dann hat der Alte gut dahinreiten. 

B: Freilich wohl! Zudem haben die Könige von Preußen das Privilegium, dass ihnen weder Hieb noch Schuss schaden kann. Deswegen hat der alte Fritz im Siebenjährigen Krieg oft ganze Hände voll Bleikugeln aus seinen Flicken geholt und die Kanonenkugeln mit dem Hut aufgefangen. 

A: Höre, Bruder, du kannst recht haben! Drum gehen allein die Könige von Preußen wohl auch nur noch ins Feld, sie würden wohl hübsch zu Hause bleiben, wenn sie sich vorm Totschießen fürchten müssten. Dann würden sie’s machen wie der Kaiser in Spanien und die anderen Könige. Die bleiben alle hübsch zu Hause und lassen ihre Leute für sich tot-, krumm- oder lahmschießen. 

Durch solche absurde abergläubische Ideen entkräftet ein solcher Märchentrödler ein Beispiel von Tapferkeit, welches der König seinem Heere gibt und das für sich ganz unwiderstehlich wirken würde.

* In Sachsen und andernwärts spricht man vom Regenten mit komplimentvollern Ausdrücken; da sagt man: der gnädigste Kurfürst, Ihre Durchlaucht der Landraf, Ihre Erzbischöfliche Gnaden usw. Hingegen der Preuße sagt schlechtweg: der Alte und legt auf diese Benennung doch mehr als der Sachse, der Hesse und der Mainzer auf seine prunkvollen Titulaturen.

#20. September 1792 Marsch auf Dampierre: Brennende Dörfer – Strömender Regen:

Posted on September 19, 2013 at 7:00 PM Comments comments (0)
Sobald der Tag anbrach wurde abmarschiert. Es hatte erst geschienen, als wenn das Wetter sich halten würde, aber gegen 7 Uhr fing es heftig an zu regnen und wir wurden bis auf die Haut  nass.

Mehrere Dörfer sind in dieser garstigen Nacht durch den Brand sehr beschädigt worden – und eins derselben stand noch in vollen Flammen, als wir den anderen Morgen um 9 Uhr  vorbeimarschierten.Vorfälle dieser Art, welche unserm Militär eben keine Ehre machen, berichte ich sehr ungern, aber ich muss einmal schreiben, was ich gesehen habe – und dann sollen meine Berichte auch zum Einschärfen des wichtigen Satzes dienen, dass man von Menschen nicht mehr erwarten müsse als sie nach ihrer Lage leisten können, dass man folglich billige Urteile fällen müsse von Freund und vom Feind.

Der Zug ging weiter bis gegen die Höhen von Dampierre, worauf Dumouriez sich positioniert hatte. Und hier fiel die bekannte Kanonade vor, von welcher, glaube ich, Nachricht genug gegen ist.
 

#19. September L'Entré: Abmarsch in die nächste stürmisch-kalte Nacht – Krieg den Hütten

Posted on September 18, 2013 at 4:42 PM Comments comments (33)
Am 19. September mussten wir nachmittags noch spät aufbrechen und vorwärts marschieren bis nachts um 9 Uhr und hernach brachten wir ohne Zelte und beinahe ohne Infantriewachen die Nacht unter freiem Himmel zu,

Sch... auch
Auf dem Weg dahin sagte ein Offizier zum andern: "Höre Bruder, morgen gibt's was! Die Franzosen werden angegriffen und wenn sie nur stehen, so sind sie morgen Abend in unserer Gewalt." – "Sch... auch!" fing ein Soldat aus dem Trupp an, " seht ihr nur zu, dass sie euch nicht kriegen, sie – kriegt ihr gewiss nicht!" Da fing der Offizier an zu fluchen und wollte mit Gewalt wissen, wer so gesprochen hätte, um ihn zu bestrafen. Da aber niemand diesen verriet, so schwur er bei seiner hohen Ehre und dass ihn der Teufel in tausend Fetzen zerreißen sollte, wenn morgen die Spitzbuben nicht alle entweder tot oder gefangen wären!

Der Wind brauste diese Nacht fürchterlich und es war gewaltig kalt. Waldung war dort in der Nähe nicht. Wir liefen also scharenweise in die Dörfer und holten, was wir vorfanden: Stühle, Tische, Bettstellen, Fässer, Türen, Wagen, Karren – kurz, wir schleppten, was von Holz uns in die Hände fiel, ins Lager und machten Feuer wie in der Hölle. 

In den Dörfern selbst wurde Feuer in die Bauernhöfe getragen und man zündete mit Strohfackeln in den Scheunen und Ställen herum. Was vom Vieh noch übrig war, wurde mitgeschleppt und im Lager in Töpfen und Kesseln, die man gleichfalls in den Dörfern gelangt hatte, gekocht und verzehrt. 

Einer unserer Offiziere, der Herr von Massow, wollte dem gräulichen Plündern und Anzünden steuern, aber seine Bemühungen waren fruchtlos. Man stellte ihm vor, dass eben jetzt, den Tag vor einem wahrscheinlichen Angriffe auf den Feind, ein scharfes Verfahren wider die Beutemacher am unrechten Orte sein würde. So dachten alle, denn ich sah die Generale selbst ganz ruhig am Feuer sitzen und den Soldaten, als sie ihre geraubten Hühner usw. zurecht machten, zusehen, ohne ein Wort darüber zu sagen. In solchen Tagen kann man ihnen das auch gar nicht zumuten, ob gleich ich überzeugt bin, dass die wenigsten von ihnen diese Gräuel billigten.

#September 1792: Abmarsch am Rand aller Kräfte

Posted on September 15, 2013 at 9:43 AM Comments comments (0)
Aus dem Sumpflager hatten wir ungefähr noch sechzehn Stunden nach La Lune, wobei die bekannte Kanonade vorfiel, jene nämlich, welche das Ziel unsrer Heldentaten in Frankreich gewesen ist; denn nach dieser Zeit bis auf unseren Separatfrieden ist gegen die Franzosen auf französischen Boden von uns beinahe nichts mehr getan worden, und was die Kaiserlichen darauf taten, ist eben auch nicht weit her. 

Wir machten diesen Weg trotz unsrer ausgemergelten Körper in wenig Tagen und hatten immer mit Mangel zu kämpfen, weil der Feind uns hier in der Nähe war und kein Marketender uns zu folgen sich getraute. Einige Weiber und Menschen zogen zwar mit, aber die hatten leider selbst nichts, konnten also auch nichts verkaufen.

#September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen - die ekelhafte Wahrheit - Angst vor den Lazaretten

Posted on September 14, 2013 at 4:28 PM Comments comments (1)
...aber nichts nahm unsere Leute ärger mit als der Durchfall, der allgemeine Durchfall und dann die darauf folgende fürchterliche Ruhr. Delikate Leser würde es aufbringen und ihren Ekel rege machen, wenn ich über diesen Gegenstand alles sagen wollte, Aber für delikate Leser ist dieser Teil meiner Schrift nicht, sondern für Männer, dessen Absicht es ist, das Elend unserer Feldzüge gegen die Neufranken in seiner wahren Gestalt kennenzulernen und diese suchen nur Wahrheit, auch ekelhafte Wahrheit, wenn sie nur Resultate daraus ziehen können. Also – die Abtritte, wenn sie gleich täglich frisch gemacht wurden, sahen jeden Morgen so mörderisch aus, dass es jedem übel und elend werden musste, der nur hinblickte: alles war voll Blut und Eiter und in einigem sah man sogar Unglückliche darin umkommen. Ebenso lagen viele blutige Exkremente im Lager herum von denen, welche aus nahem Dränge nicht an den entfernten Abtritt hatten kommen können. 

Angst vor den Lazaretten
Ich bin versichert, dass nicht drei Achtel der ganzen Armee von dem fürchterlichen Übel der Ruhr damals frei waren, als wir das Sumpflager verließen. Die Leute sahen alle aus wie Leichen und hatten kaum Kräfte, sich fortzuschleppen: und doch klagten nur wenige über Krankheit – aus Furcht vor den Lazaretten oder vor jenen Mordlöchern, worin man die Erkrankten schleppte und worin so viele, viele um ihr trauriges Leben noch trauriger gekommen sind. Es wurden also nur die dahin gebracht, welche gar nicht mehr fort konnten und deren war eine große Menge.

#September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen – Anfang vom Ende

Posted on September 11, 2013 at 3:24 PM Comments comments (3)
Bisher waren wir in der Wäsche noch ziemlich rein geblieben, aber nun, da sich nicht mehr waschen ließ, da sogar das Leinenzeug im Tornister vermoderte, fanden sich auch sehr unangenehme Tierchen, diese hässliche Plage der Soldaten im Felde, bei uns unerträglich ein. Selbst die Offiziere konnten ihnen nicht mehr entgehen und lernten nun auch erst recht das volle Elend des Kriegs erkennen.

#September 1792 l'Entrée: Französisches Kirchenholz im Drecklager – Bauern kaufen ihre Rinder zurück

Posted on September 8, 2013 at 12:59 PM Comments comments (2)
Die Bauern in l’Entrée hatten ihre Kirche abgetragen und neues Holz zur Erbauung einer anderen herbeigeschafft, Dieses neue Holz samt dem alten holte man ins Lager und verbrannte es, mitunter auch Kanzel und Orgelschnitz. Dabei wurde nun brav gelacht und Spaß getrieben – und noch jetzt sprechen die Soldaten vom französischen Kirchenholz im Drecklager. 

Das Hungern der Soldaten beginnt
Die Lebensmittel waren hier entsetzlich rar und teuer. Der Mangel konnte auch durch die wirklich große Menge von Kühen, welche man den Landleuten genommen und der Armee nachgetrieben hatte, nicht sehr erleichtert werden. Was war auch ein halb Pfund elendes, altes Kuhfleisch für den Soldaten, der kaum in drei Tagen für einen Tag Brot hatte? Da musste er ja doch hungern! Zudem wurde das beste Vieh von den angesetzten Treibern an die Bauern, welche von weitem herbeischlichen, verkauft. Das beste Fleisch wie auch alles Schweine- und Hammelfleisch war übrigens für die Offiziere und ihre Bediente, davon bekam der Soldat nichts.

#5. September 1792 bei l'Entrée: Das so genannte Drecklager – Erinnerung an Eulerkapper

Posted on September 5, 2013 at 7:50 AM Comments comments (1)
Endlich ward es Tag und die Soldaten krochen aus ihren Zelten wie die Säue aus ihren Ställen – sahen auch aus wie diese Tiere, wenn sie aus Ställen kommen, welche in sechs Wochen nicht gereinigt sind. Der Kot, worin man sofort patschen musste, wenn man aus dem Zelte heraustrat, lief gleich in die Schuhe; denn er war dünn und tief, worüber denn einige Soldaten dumpf brummten, andre laut fluchten, alle aber darin übereinkamen, dass dieses abscheuliche Lager sofort „Drecklager“ heißen sollte. 

Nichts blieb übrig als Jammer und Elend
Nun wurde befohlen oder vielmehr angesagt, dass Stroh sollte gelangt werden: Stroh holen hieß aber damals, den ungedroschenen Weizen – Roggen wächst in Champagne nicht, wenigstens hab’ ich keine gesehn; in Lotharingen war Roggen anzutreffen –, also man holte den ungedroschenen Weizen aus den Scheunen, warf ihn wer weiß wie hoch ins Zelt und legte sich dann auf ihn hin. Dieses konnte um soviel leichter geschehen, da einem jeden erlaubt war, so viel Stroh, d.i. Weizen, zu nehmen, als er gerade wollte oder konnte. Da nun auch die Kavalleristen ihre Courage aus den Scheunen der Bauern holten, auch die Pack- und andere Pferde daraus versehen wurden, so kann man leicht denken, dass in den Dörfern, in deren Nähe unser Lager stand, nichts übrig blieb als Jammer und Leere.  In l’Entrée war nach drei Stunden keine Weizengarbe mehr anzutreffen. Und das ging ebenso in den übrigen Dörfern. Dass alle Häuser obendrein rein ausgeplündert wurden, versteht sich von selbst. 

Erinnerung an Eulerkapper
Ich hätte bei diesem Stroh- oder Garben holen beinahe den Hals zerbrochen; denn ich fiel in einer Scheune von einem hohen Gerüste, jedoch ohne Schaden. Ich habe in diesem Sumpflager öfters an einen Vorfall gedacht, der mir in Gießen schon 16 Jahre vorher begegnet war. Ich hatte nämlich einst den armen Eulerkapper mitperiert und war auf dem Rücksprung, weil Eulerkapper mich verfolgte, in eine Mistgrube gefallen und abscheulich besudelt. Damals lachte ich recht sehr über meinen komischen Zufall und rühmte mich desselben hernach mehrmals. Jetzt aber war ich missmutig, da man mich zwang, in Champagne im Kote herumzulatschen.

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